Home-Office ist aus dem Kanzleialltag nicht mehr wegzudenken. Remote Work in den verschiedensten Formen und Ausprägungen sind zum Branchenstandard geworden.

Zur hybriden Steuerberatungskanzlei und zum Kopfzerbrechen beim Home-Office habe ich bereits in den Jahren 2020 und 2021 berichtet. Die dort getroffenen Aussagen haben – so meine Einschätzung – immer noch ihre Bedeutung.

Inzwischen haben sich in den Kanzleien Home-Office-Regeln, insbesondere zum möglichen Ausmaß, etabliert. Diese möchte ich nun kritisch hinterfragen.

Individualität statt Regeln?

Management bedeutet von Zielen zu Resultaten zu gelangen. Es geht beim Management und bei der Mitarbeiterführung in erster Linie um Wirksamkeit. Lesen Sie dazu auch Der Grundsatz der Resultatorientierung. Gerechtigkeit hat gegenüber Wirksamkeit keine Priorität. Allgemeine Gerechtigkeit ist so gut wie unmöglich. Fairness ist schon schwierig genug zu erreichen, wenn man Fairness als „fair ist, was als fair wahrgenommen wird“ definiert.

Im Beitrag Mitarbeiterführung ist individuell habe ich dargestellt, dass sich Mitarbeiterführung an der einzelnen Person orientieren sollte. Es ist vollkommen offensichtlich, dass beispielsweise die Frage nach der Anzahl der Mitarbeitergespräche (Zielgespräch und Leistungsgespräche) individuell zu beantworten ist. Für den einen Mitarbeiter sind zwei Gespräche pro Jahr richtig, wirksam und sinnvoll. Und für den anderen Mitarbeiter sind mindestens vier Gespräche notwendig.

Die jetzt in den Kanzleien vorkommenden Home-Office-Regeln entstanden ein wenig „aus der Not heraus“: Zuerst durch COVID, dann durch ein falsch verstandenes Gerechtigkeitsverständnis. Später dadurch, dass Home-Office-Möglichkeiten als notwendiger Bestandteil der Mitarbeitergewinnung gesehen wurden, um nur einige Perspektiven zu nennen.

Sind nun generelle Regeln zum Ausmaß von Home-Office, wie z.B. maximal 2 oder 3 Tage pro Woche, sinnvoll? Aus dem Blickwinkel der Einfachheit und Gerechtigkeit spricht natürlich sehr viel für diese Vorgangsweise. Aus der Perspektive der Wirksamkeit sollte das Ausmaß an Home-Office individuell festgelegt werden Mit z.B. den folgenden Fragen:

Wie viel Home-Office-Zeit ist

Auseinandersetzung

Die Auseinandersetzung mit diesen Fragen ist anstrengend. Ich denke, dass Ihnen wahrscheinlich noch weitere Fragen bei der jeweiligen Mitarbeitersituation einfallen. Machen Sie mit diesen Fragen bzw. Überlegungen die Überprüfung der geltenden Regeln im Führungskreis zum Thema und sprechen Sie auch mit Ihrem Team darüber.

Möglicherweise ergibt sich aus der Diskussion, dass einzelne Mitarbeiter ihre Home-Office-Zeit reduzieren sollten. Oder aber auch, dass einzelne Mitarbeiter ihre Home-Office-Zeit ausdehnen können.

Es geht mir nicht um eine dogmatische Betrachtungsweise von Home-Office-Regeln. Im Gegenteil: Ich sehe die Notwendigkeit einer differenzierten und sachlichen Auseinandersetzung, Home-Office genau in jenem Ausmaß anzubieten und einzusetzen, damit die Kanzleiziele erreicht werden. Mitarbeiterführung ist individuell. Warum sollte das bei der Frage des Ausmaßes von Home-Office anders sein?