Mag. Stefan Lami - Steuerberatung - Unternehmensberatung

Datenschutz Werbeagentur Linz

Warum ist eine Abrechnung nach Zeit nicht mehr zeitgemäß?

3 Perspektiven

11.04.2025

Diese Frage möchte ich mit der Gegenfrage „War die Zeitabrechnung jemals zeitgemäß?“ beantworten. Meine Beobachtung ist, dass erst durch den Einzug der EDV in die Kanzleiverwaltung, also der computerunterstützten Zeit- und Leistungserfassung, der Faktor Zeit eine derart immense Bedeutung gewonnen hat, dass Steuerberater heute die Meinung vertreten, ohne Zeiteinheiten als Honorargrundlage die Kanzlei nicht mehr ordentlich führen zu können.

Selbst bei Anwendung von gesetzlichen Bestimmungen (z.B. der StBVV in Deutschland) ist trotz Vorliegens anderer Honorarparameter die Zeit als entscheidender Indikator vorherrschend. Diese extreme Zeitorientierung als vermutlicher Segen während der letzten Jahrzehnte lässt die Branche in eine Sackgasse laufen. Zauberlehrlingshaft „Die Geister, die ich rief, werd‘ ich nun nicht los!“. Aus drei Perspektiven lässt sich diese Entwicklung beobachten:

Erstens Klienten: Die deutliche Mehrheit der Klienten steht der Zeitabrechnung skeptisch gegenüber. „Wie lange wird der Steuerberater brauchen?“ „Könnte das nicht auch schneller gehen?“ „Betreut mich der beste effizienteste Mitarbeiter?“ „Stimmen die Zeitaufzeichnungen der Kanzlei?“ „Warum sind die Stundensätze so hoch?“ Klienten sind während der letzten Jahre deutlich preissensibler bei Steuerberatungsleistungen geworden. Honorartransparenz und -sicherheit sind Grundanforderungen der Klienten, die durch eine Zeitabrechnung so gut wie nicht erreicht werden können.

Zweitens Mitarbeiter: Unzweifelhaft ist die aufgewendete Zeit für einen Auftrag der relevante Kostenfaktor. Nur wurde die Zeit als Leistungsindikator derart überstrapaziert, dass andere Kriterien fast vollständig in den Hintergrund gedrängt wurden. Mitarbeiter verspüren einen konstanten Druck durch die Zeiterfassung, die die unglaublichsten Blüten treibt. Anstatt z.B. auf das für den Klienten erzielte Ergebnis zu sehen, oder Kanzleifortschritte durch Wissensweitergabe zu betrachten, werden in Kanzleien die Prozentsätze produktiver Stunden uferlos diskutiert. Talente wechseln in die Industrie weil dort das Ergebnis zählt. Produktivitätssteigerungen in den datenverarbeitenden Tätigkeiten, die die Voraussetzung für die Ausdehnung der Beratungsleistungen sind, werden verhindert, weil Mitarbeiter meinen, dann nicht mehr ausreichend produktiv – im Sinne von Zeiteinsatz – zu sein.

Drittens Kanzlei: Das über Jahre meistgebrauchte Argument „Wenn wir weniger Zeit für den Auftrag brauchen, wird für Sie, lieber Klient, das Honorar geringer“, kommt wie ein nicht mehr zu kontrollierender Bumerang zurück. Die technologischen Fortschritte verpuffen größtenteils, Effizienzsteigerungen gehen zu Lasten der Kanzlei, Klienten ermöglichen technologische Verbesserungen in der Zusammenarbeit oft nur unter der Bedingung einer Honorarreduktion. 

Die Frage „Hängt der Wert und Qualität des monatlichen Rechnungswesens davon ab, ob dafür 3 oder 8 Stunden aufgewendet wurden?“ ist ganz und gar nicht neu. Denken in Zeiteinheiten rückt die Anstrengung und nicht das Ergebnis in den Vordergrund. Das war nie zeitgemäß und wird es auch nie sein.

5 Kommentare

Stefan B. 14.04.2025 / 09:51 Uhr

Danke.
Ich kann Deine Frage/Anregung nur unterstützen.
V.a. Punkt 2 zeitigt kreative Erfassungsmodelle und mit Partnern immer wieder die unsäglichen Diskussion der produktiven und 'unproduktiven' Zeiten befördert.

1

Stefan Lami 14.04.2025 / 10:06 Uhr

Lieber Stefan,

vielen Dank für dein Feedback; das freut mich.

Produktivität in der Steuerberatung ist etwas vollständig anderes als "produktive" Stunden. In meinen Beiträgen zum produktiven Arbeiten finden sich dutzende Möglichkeiten produktiver zu werden, ohne dass sich die Anzahl der abrechenbaren Zeit erhöht.

Liebe Grüße, nochmals danke, Stefan

2

Harald Müller 14.04.2025 / 10:22 Uhr

Lieber Stefan,

dein Thema - schon so lange :). Der Song würde zum Evergreen. Und tatsächlich ist das Thema unverändert aktuell und wird auch z. B. auf LinkedIn immer wieder diskutiert.

Die vermeintliche Leichtigkeit in der Zeit-Abrechnung ist darin zu sehen, dass die StBVV zumindest eine Orientierung gibt, Zeit und Stundensätze greifbare Größen sind. Ebenso sind es Komponenten, mit denen Steuerberater in der Regel gut umgehen, sprich berechnen können.

Das Schwierige am Nicht-Abrechnen nach Zeit und damit einer anderen Abrechnung, z. B. Festpreis, ist die Preisfindung. Und die ist von vielen Faktoren abhängig und mehr oder weniger individuell nach Leistungssegment vorzunehmen. Auch sehe ich die Gefahr, dass manche Preisvorstellung vielleicht überzogen wird. Aber man kann sich ja herantasten und zunächst mit Teilbereichen starten.

Liebe Grüße
Harald

3

Stefan Lami 14.04.2025 / 10:41 Uhr

Lieber Harald,

vielen Dank für dein treffendes Feedback. Vor einigen Jahren hast du mir bereits gesagt, dass ich mit dem Thema "Klientenorientierter Honorargestaltung" in Pension gehen werde ... und in gar nicht mehr langer Zeit wird es so sein ...

Viele liebe Grüße, schöne Ostern
Stefan

4

Harald Müller 14.04.2025 / 12:03 Uhr

Lieber Stefan,
du weißt, dass man heute länger arbeiten kann ... :).
Liebe Grüße
Harald

5

Kommentar schreiben

Mag. Stefan Lami - Steuerberatung - Unternehmensberatung work Bachgasse 29/Top 8 A-6511 Zams Österreich work +43 664 221 23 24 cell +43 664 221 23 24 stefanlami.com
Atikon work Kornstraße 15 4060 Leonding Österreich work +43 732 611266 0 fax +43 732 611266 20 www.atikon.com 48.260229 14.257369