Die einfache Frage „Was sind Ihre drei wichtigsten persönlichen Ziele für das nächste Jahr?“ bringt viele Steuerberater ins Stottern. Das Tagesgeschäft mit all seinen Folgen lässt oft keinen Platz für solche Überlegungen.

Falls Sie zu denjenigen Kollegen gehören, die die drei wichtigsten Ziele eindeutig vor Augen und möglicherweise sogar schriftlich formuliert haben, möchte ich Ihnen gratulieren. Sie haben den ersten Schritt gesetzt, Ihre Ziele auch zu erreichen. Sie können die nächsten drei Absätze überspringen.

Die Literatur zum Thema „Ziele“ füllt in Form von unzähligen Erfolgsbüchern ganze Bibliotheken. Wie auch immer man dazu steht, welche „Methode“ man auch immer anwendet oder ablehnt, eines ist klar: Die Auseinandersetzung mit seinen Zielen, in welcher Form auch immer, macht den Erfolg wahrscheinlicher, wie auch immer man diesen definiert. Ich möchte dazu keine weitere Überzeugungsarbeit leisten, sondern Sie zum Nachdenken bringen.

Wenn es mir mit den letzten Zeilen gelungen ist, dass Sie im Moment Ihre Meinung kritisch hinterfragen und sich nur fünf Minuten Zeit nehmen, JETZT über Ihre Ziele nachzudenken, dann ist der Sinn dieses Beitrags schon erfüllt. Lesen Sie also nicht weiter, bevor Sie fünf Minuten über Ihre Ziele nachgedacht haben, und schreiben Sie bitte auf ein leeres Blatt Papier, welche Ziele Ihnen spontan einfallen.

Fünf Minuten später  …  Sie werden festgestellt haben, dass es gar nicht so einfach ist, Ziele zu definieren.

Wie bereits gesagt, sobald Ziele klar geworden sind, wird die Aufgabe, erfolgreich zu sein, leichter: Man weiß wenigstens, was Erfolg bedeutet. Nämlich, wenn es gelingt, seine Ziele zu erreichen. Und ein Ziel ist nur dann ein echtes Ziel, wenn Scheitern möglich ist. Das mögliche Scheitern ist ein entscheidendes Kriterium für ein Ziel. Fehlt dieses Kriterium, kann man nicht von einem Ziel sprechen. Überprüfen Sie bitte Ihre Ziele hinsichtlich des Kriteriums „Scheitern ist möglich“.

Der nächste Schritt auf dem Weg zum Erfolg ist die Beantwortung der folgenden Frage: „Was mache ich tagtäglich, um meine drei wichtigsten Ziele des nächsten Jahres zu erreichen?“ Dabei ist am effektivsten, wenn Sie überlegen, was Sie sofort tun können. Damit kommen Sie dem Ziel nicht nur näher, sondern Sie überprüfen auch, wie ernst Sie es mit diesem Ziel meinen. Das Ergebnis dieser Überlegungen könnte ein schriftlicher Aktionsplan mit konkreten Terminen für die nächsten drei bis sechs Monate sein.

Im Formulieren von Maßnahmen sind Menschen üblicherweise ausgezeichnet. Es finden sich schnell Ideen und Handlungsalternativen. Die Erfahrung zeigt, dass die größte Schwierigkeit (insbesondere bei vielbeschäftigten Steuerberatern) darin besteht, über die notwendige Zeit zu verfügen, die Maßnahmen auch umzusetzen. Delegieren ist eine Möglichkeit. Eine zweite ist optimale Arbeitsmethodik. Und eine dritte Idee ist, gewisse Tätigkeiten nicht mehr durchzuführen, sie also ganz zu streichen. Die Realität besteht aus der Kombination dieser drei Optionen, um Zeit zu gewinnen.

Sie werden durch das Lesen dieser Zeilen festgestellt haben, dass Ziele zu definieren und Wege zu deren Realisierung finden, eine große Herausforderung darstellt. Die Herausforderung wird um ein Vielfaches größer, wenn es darum geht, Ziele für die Kanzlei zu definieren (ganz zu schweigen von den Wegen zu deren Erreichung), sowie die persönlichen Ziele mit den Kanzleizielen abzustimmen.

Der Zielfindungsprozess wirkt kaskadenartig auf die gesamte Kanzlei: Wie können Sie – ohne Ziele – sinnvoll ein Budget erstellen? Wie können – ohne Ziele – zukunftsorientierte Mitarbeitergespräche geführt werden? Wie können – ohne Ziele – Prioritäten bei Maßnahmen und Projekten gesetzt werden?

Das ist einer der Gründe, warum sich immer mehr Kanzleien für einen Zielfindungsprozess entscheiden und sich mindestens einmal im Jahr zurückziehen, um die wesentlichste Erfolgsvoraussetzung zu schaffen: Ziele!

Der Herbst ist die ideale Zeit, sich für das nächste Jahr Ziele zu setzen und den Erfolg zu planen. Jeder von uns würde das seinen Klienten empfehlen. „Practice what You Preach!“


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