Mag. Stefan Lami - Steuerberatung - Unternehmensberatung

Werbeagentur Linz

Der Steuerberater im Konflikt zwischen Führungs- und Fachaufgaben

Die Herausforderung "Trainer" und "Spieler" meistern - ein Erfolgsfaktor für jede Steuerberatungskanzlei

07.05.2008

Inhaber, Partner und Führungsmitarbeiter in freiberuflichen Unternehmen sind, im Gegensatz zu Führungskräften in anderen Branchen, mit einer besonderen Herausforderung konfrontiert: Sie müssen nicht nur Ihre Mitarbeiter führen, sondern sind gleichzeitig auch als Fachexperten in der operativen Arbeit gefordert. Beide Aufgaben „unter einen Hut“ zu bekommen, ist ein entscheidender Erfolgsfaktor für die Kanzleientwicklung. Mit diesem Beitrag möchte ich die bestehenden Konfliktpotenziale, deren Konsequenzen und mögliche Lösungswege vorstellen. Diese grundsätzlichen Überlegungen bilden die Grundlage, um die ideale individuelle Situation zu erreichen.

1. Die Aufgaben als „Trainer“ und „Spieler“

Sie als Inhaber, Partner oder Teamleiter eines Steuerberatungsunternehmens sind mit einer Reihe von Aufgaben, wie z.B.

  • Lösung von Fachfragen
  • Klientenbetreuung
  • Kanzleientwicklung
  • Projektleitung
  • Organisation und Führung
  • Verwaltung
  • Coaching der Mitarbeiter und
  • anderen unternehmensbezogenen Aufgaben

konfrontiert.

Diese vielfältigen Aufgaben lassen sich in zwei grundsätzliche Gruppen trennen. Einerseits Ihre Aufgaben als „Trainer“, d.h. Führen und Leiten der Kanzlei bzw. des Teams, und andererseits Ihre Aufgaben als „Spieler“, d.h. Lösung von Fachfragen, Klientenbetreuung etc.

Betrachtet man die beiden Aufgaben bzw. Rollen und deren Anforderungen, stellt man fest, dass es zwischen ihnen signifikante Unterschiede gibt:

Trainer  
Spieler
Ergebnisse in der Mitarbeiterführung sind nicht schnell sichtbar. Schnell sichtbare Ergebnisse durch das Feedback des Klienten.
Beschäftigung mit Details und menschlichen Problemen ist kompliziert und frustrierend. Intellektuell herausfordernde, spannende Tätigkeit und "Spaß".
Aktivitäten sind nicht so gut planbar und sichtbare Erfolge in der Führung sind nur sehr schwer messbar. Aktivitäten sind leichter planbar und der Erfolg ist messbar; es gibt Meilensteine im Klientenprojekt (der Erfolg ist spätestens durch die Honorarabrechnung sichtbar).


Daraus ergeben sich auch die bestehenden Konfliktpotenziale:

Trainer Spieler
Kernaufgabe ist die Mitarbeiterführung und -entwicklung Kernaufgabe ist die Lösung von Klientenaufträgen
Überwiegend nach innen gerichtet Überwiegend nach außen gerichtet
Mittel- bis langfristig Kurzfristig
Geringe Dringlichkeit Hohe Dringlichkeit
Strategische Unternehmensentwicklung Operatives Handeln
Ergebnisse nur schwer messbar  Ergebnisse sofort und leicht messbar
Wenig bis kein Feedback über den Erfolg Unmittelbares Feedback durch den Klienten
Emotional herausfordernd Intellektuell herausfordernd
Menschen im Vordergrund Sachverhalt im Vordergrund
Keine eindeutigen Lösungen Eindeutige Lösungen (meist)

 
Sie können aus dieser Gegenüberstellung erkennen, dass die beiden Aufgaben diametral zueinander stehen. Die Konsequenzen aus der mangelhaften Bewältigung der vorhandenen Konfliktpotenziale sind daher auch weitreichend. Bitte analysieren Sie Ihre persönliche Situation anhand des folgenden Kurz-Checks:

    trifft zu trifft nicht zu
1 Gefahr, eine Rolle zu vernachlässigen    
2 Spielerrolle erscheint attraktiver    
3 Ständiger Zeitkonflikt    
4 Ständiges Gefühl, zu wenig Zeit zu haben    
5 Ständiges Schuldgefühl (entweder gegenüber den Mitarbeitern oder gegenüber den Klienten)    
6 Gefahr, dass Kanzleientwicklung insgesamt verzögert wird     
7 Gefahr, dass wichtige und für den Erfolg entscheidende Faktoren zu wenig beachtet werden        


Steuerberater berichten mir in Seminaren und Workshops immer wieder, dass für sie alle 7 Aussagen zutreffen. Haben auch Sie allen Aussagen zugestimmt, bedeutet das „Willkommen im Club“.

2. Die grundsätzlichen Optionen

Der erste Schritt, um diese nicht zufrieden stellende Situation zu verbessern, ist, das eigene Bewusstsein zu schärfen, klarer die unterschiedlichen Anforderungen zu erkennen, sich selbst genauer zu beobachten und daraus die ersten Schlüsse zu ziehen.

Grundsätzlich betrachtet gibt es 3 Möglichkeiten, die vorhandene Herausforderung zu meistern:

1.     nur „Trainer“ mit der Delegation von Fachaufgaben;
2.     nur „Spieler“ mit der Delegation von Führungsaufgaben;
3.    „Spieler-Trainer“ mit einer klaren Vorstellung darüber, wie beide Aufgaben professionell gelöst werden können.

Die beiden ersten Varianten fallen Steuerberatern üblicherweise enorm schwer. Nur in Ausnahmefällen oder besonderen Partnerkonstellationen findet sich ein Weg, diese Option in Reinform umzusetzen.

3. Ergebnisse der Steuerberaterbefragung

Während der letzten 4 Jahre beteiligten sich mehr als 100 Inhaber, Partner und Führungskräfte von Steuerberatungskanzleien an der Befragung zum Thema „Trainer & Spieler“. Im Folgenden stelle ich die wesentlichsten Ergebnisse kurz dar. So können Sie Ihre Meinung mit denen der Kollegen aus Österreich und Deutschland vergleichen. 

 

  • Das Bewusstsein, dass die Bewältigung der beiden Rollen eine entscheidende Herausforderung ist, ist gegeben:
Bild1
  • Auf die Frage, ob sich Steuerberater auch schon mit dieser Thematik auseinandergesetzt haben, ergibt sich jedoch ein völlig anderes Bild:
Bild2
  • Die Zufriedenheit mit den Ergebnissen aus der Tätigkeit als „Spieler“ fällt deutlich höher aus im Vergleich zu den Ergebnissen als „Trainer“:
Bild3
  • Zusätzliches Führungswissen gewinnt immer mehr an Bedeutung – so die Meinung der Steuerberater:
Bild4
  • Die Mehrheit der befragten Steuerberater sieht ihren zukünftigen Schwerpunkt in der Trainerrolle:
Bild5
  • Die meisten Steuerberater wollen in Zukunft beide Rollen ausüben!
Bild6

Nur wenige der Teilnehmer beantworteten den gesamten Fragebogen (43 Fragen) stringent und in sich schlüssig. Oft wurden teilweise widersprüchliche Antworten gegeben, woraus sich schließen lässt, dass das Rollen- und Aufgabenverständnis nicht eindeutig und klar ist. Die Teilnehmer bestätigten allerdings, dass alleine das Beantworten der Fragen, ihr Problembewusstsein erhöht hat und damit die Grundlage für Lösungen gelegt wurde.

 

4. Lösungswege für „Trainer", „Spieler" und „Spieler-Trainer"

Leider kann ich Ihnen kein Patentrezept anbieten, wie das Dilemma, „Führungs- und Fachaufgaben unter einen Hut zu bringen", gelöst werden kann. Faktoren, die man berücksichtigen sollte, sind:

  • die persönliche Stärken des Inhabers, der Partner und/oder der Teamleiter
  • die bereits vorhandenen Stärken im Team
  • Einzelkanzlei oder Partnerschaft?
  • derzeitige und angestrebte Größe der Kanzlei
  • derzeitige und gewünschte Kanzleikultur in Bezug auf Führung

Die im Folgenden vorgestellten Lösungsansätze stellen grundsätzliche Erfolgsstrategien für die jeweilige Rolle dar, auf der Sie weitere Überlegungen anstellen können.

1) „Trainer":

Fällt Ihre Entscheidung dahingehend aus, sich in Zukunft verstärkt den Führungsaufgaben widmen zu wollen, schlage ich vor:

  • Saubere Delegation von Fachaufgaben an Ihr bestehendes Team.
  • Sukzessives Überführen der Klientenverantwortung an Mitarbeiter.
  • Aufbau einer „rechten Hand" für fachlich schwierige Aufgaben.
  • Kontinuierlicher Rückzug aus Klientenbesprechungen und Übergabe der Verantwortung an Mitarbeiter.
  • Verstärkung der Führungskompetenzen z.B. durch Managementtrainings.
  • Implementierung von Führungswerkzeugen in Ihrer Kanzlei.
  • Überdenken Ihrer persönlichen Arbeitsmethodik; Berücksichtigung der Änderungen, die sich aus der Konzentration auf Führungsaufgaben ergibt.
  • Beibehalten eines kleinen aber feinen Spezialgebietes für Ihr Ego als Steuerberater!

 

2) „Spieler":

Die meisten Steuerberater haben den Beruf gewählt, weil sie sich an den fachlichen Herausforderungen messen wollten. Insofern ist eine „Rückkehr" zum Spieler für Inhaber, Partner und Teamleiter in Bezug auf Fachaufgaben nicht besonders schwierig. Die größten Herausforderungen bei einer Konzentration auf Spieleraufgaben sehe ich in:

  • der Delegation von Führungsaufgaben. Das ist die größte Herausforderung.
  • dem Aufbau einer „rechten Hand" für Führungsaufgaben; ich erinnere Sie dabei an das bekannte Kanzleimodell mit einer „Kanzleileiterin" (meist weiblich mit langjähriger  Erfahrung im Job), die die Kanzlei „geschaukelt" hat.
  • dem Aufbau einer zweiten starken Führungsebene (Teamleiter, Abteilungsleiter) abhängig von der Kanzleigröße.
  • der Stärkung von Führungspositionen, die durch Mitarbeiter wahrgenommen werden.

 

3) „Spieler-Trainer":

Unzweifelhaft ist der „Spieler-Trainer" das Modell, für das sich die meisten Steuerberater letztendlich entscheiden. Ich meine, dass eine Bewältigung dieser vielfältigen Aufgaben nur durch höchste Professionalität in beiden Bereichen möglich ist. Dazu zähle ich u.a.:

  • Die richtige persönliche Arbeitsmethodik; ein Betätigungsfeld, das über enorme Verbesserungspotenziale verfügt.
  • Eine klare eigene Karriereplanung aus der hervorgeht, welchen Tätigkeitsbereichen Priorität eingeräumt wird.
  • Die Konzentration auf das Wesentliche; klingt einfach ist jedoch enorm schwierig.
  • Eindeutige Kanzleiwerte und -prinzipien, anhand derer sich die Mitarbeiterführung orientiert.
  • Den Mut zu einer klaren Strategie.
  • Das Prinzip des „work smart", das bedeutet, Trainer- und Spieleraufgaben zu verknüpfen (z.B. Klientenmarketing mit Mitarbeitermarketing zu verbinden; Klientenbesprechungen als „Trainingseinheiten" für Mitarbeiter zu gestalten, etc.)
  • Die grundsätzliche Einstellung, Gegensätze nicht nur auszuhalten, sondern sie sogar zu forcieren; d.h. immer das Und und nicht das Oder zu sehen

 

5. Resümee

Ab dem Zeitpunkt, in dem man den Fokus auf die Herausforderungen von „Trainer" und „Spieler" wirft, entwickelt man eine selektive Wahrnehmung (wie übrigens bei anderen Fragestellungen auch). Die eigene kritische Beobachtung und die strukturierte Auseinandersetzung mit den vorgestellten Überlegungen führen zu den passenden individuellen Lösungen.

Für die Mehrheit der Steuerberater wird auch die Zukunft durch die „Spieler-Trainer-Rolle" geprägt sein. Das erfordert eine professionelle Vorgangsweise in beiden Aufgabengebieten, um die negativen Konsequenzen der Vernachlässigung einer Aufgabe zu vermeiden. Diejenigen Steuerberater, denen es gelingt, diese Herausforderung zu meistern, werden auch zukünftig deutlich erfolgreicher sein, als Ihre Mitbewerber.

 

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