Eine Erfolgsstory aus der Praxis
Immer wieder werde ich mit der Frage konfrontiert, ob sich die
Beschäftigung mit einer klientenorientierten Honorargestaltung lohnt. In
einem Newsletter-Beitrag habe ich diese Frage ja ausführlich und
eindeutig mit „Ja“ beantwortet (lesen Sie dazu auch
„Lohnt
sich klientenorientierte Honorargestaltung?“)
Viele Steuerberater scheuen (noch) die Mühe, strukturierte
Leistungsangebote zu erstellen, die Fragen für sinnvolle Preisstrategien
zu klären, und Sie scheuen auch das – scheinbare – Risiko von
Fixhonorarvereinbarungen.
Auf der anderen Seite erfahre ich Immer häufiger von
Erfolgserlebnissen, ja richtigen Erfolgsstorys im Zusammenhang mit
klientenorientierter Honorargestaltung. Eine Erfolgsstory möchte ich
Ihnen in diesem Beitrag weitergeben, Ihnen damit Mut machen und
Selbstbewusstsein verschaffen, Ihre Honorargestaltung nicht nur zu
überdenken, nicht nur leicht zu modifizieren, sondern sie radikal zu
verändern.
Damit verbunden ist ein großes Danke an jenen Steuerberaterkollegen,
der mir das folgende E-Mail geschickt und mir erlaubt hat, es
anonymisiert zu veröffentlichen.
Die Erfolgsstory
Aus dem E-Mail: „… unser gemeinsames Seminar (Anmerkung: es war der
Honorar-Circle
im Mai 2009) ist nun schon einige Monate her ... und ehrlich gesagt habe
ich meine To-do-Liste noch nicht abgearbeitet (mein Problem ist es, dass
ich gleich die perfekten Dienstleistungsangebote entwickeln
möchte).
Gleichwohl konnte ich schon einiges testen. Vor rund drei Monaten bekam
ich einen Anruf von einem potenziellen neuen Mandaten, der auf
Empfehlung auf uns aufmerksam geworden ist (und uns zunächst im Internet
besucht hatte).
Innerhalb von einer Stunde hatte er unsere Terminbestätigung und
unseren neuen (abgespeckten) Unternehmensfragebogen für Erstgespräche
per Fax auf seinem Schreibtisch. Die Teammitglieder waren informiert und
begrüßten den „Neuen“ mit Namen.
Es handelte sich um einen Unternehmer, der in XXX zwei Unternehmen mit
rund fünfzig Mitarbeitern (zwei GmbHs) betreibt. Dank Google und
Unternehmensregister konnte ich mich über ihn und seine Firmen
umfangreich informieren.
Beim Treffen eröffnete mir dieser dann, dass er zurzeit bei einem
befreundeten Steuerberater unglücklich ist und nunmehr drei
Berufskollegen aufsuchen wollte, um eine für ihn passende Lösung
zu finden. Er würde jedoch nicht allein kommen, sondern auch ein guter
Freund (Handelsunternehmen mit 5 Mio. Euro Umsatz) hätte das gleiche
Problem (diese Tatsache sollte ich selbstverständlich in die
Preisfindung mit einfließen lassen). Alles in allem ein Honorarvolumen
von rund 35 - 40 TEURO. Zusätzlich liegen noch eine
Nachfolgeregelung sowie eine größere Umfinanzierung an.
Ich weiß nicht, wie das so bei euch in Österreich ist, aber für uns ist
dies eine Größenordung, die nicht alltäglich ist.
Doch schon beim Preisgespräch stellte sich sehr schnell Ernüchterung
ein. Unsere Preisliste war rund 100 % teurer als der bisherige Kollege.
Was also tun? Schön wäre es ja schon, aber zu welchem Preis (im
doppelten Sinn). Bei deutlichen Preiszugeständnissen werden wir
unglaubwürdig und hätten auch nicht wirklich Spaß bei unserer
Arbeit.
Wir entschieden uns (am selben Tag), ein detailliertes Angebot zu
unseren Preisen zu erstellen. Eine Woche später fasste ich nach, ob
dieses auch bei ihm angekommen ist und ob noch weitere Fragen zu klären
wären. Dieser versprach, sich in absehbarer Zeit bei uns zu melden ...
Wieder zwei Wochen später folgte nunmehr ein weiteres nettes Gespräch
mit seinem Freund, der wiederum betonte „Beide oder keiner“. Weitere
zwei Wochen später folgte ein gemeinsames Gespräch mit dem ersten
Unternehmer und seiner Ehefrau. Man würde schon gern mit uns
zusammenarbeiten – aber wir wären schon die Teuersten! Da ich nun beim
Seminar aufgepasst hatte, antwortete ich ganz cool „JA“ . Cool ist
natürlich gelogen, denn es ging immerhin um rund 40 TEURO.) Es war
insgesamt ein sehr nettes und freundliches Gespräch, aber keine
Entscheidung, da man zunächst in den Urlaub fahren würde. HILFE!!!
Es folgten wiederum zwei Wochen und der zweite Unternehmer rief mich an
und bat mich, ihn in seinem Unternehmen zu besuchen, er wäre sich zu 95
% sicher.
Nunmehr ging alles ganz schnell. Beide Unternehmen werden von uns
betreut. Ein Preiszugeständnis konnte ich mit gleichzeitigen
Leistungskürzungen guten Gewissens gewähren (unter 1 %, und meines
Erachtens ging es dem Mandanten nur um die Wahrung des
Gesichtes).
Selbstverständlich konnte ich mir nicht verkneifen, zu fragen, warum
wir den „Zuschlag“ bekommen haben:
1. „Bei Ihnen hatten wir das Gefühl, dass Sie uns
wirklich als Mandanten gewinnen wollten. Sie haben sich über uns
informiert und sich tatsächlich für uns interessiert
(Fragebogen).“
2. „Sie waren der Einzige, der zeitnah ein Angebot
abgegeben und auch nachgefasst hat.."
3. „Fachlich waren alle Kollegen sehr gut.“
(Wahnsinn, wie konnten die beiden die Kompetenz beurteilen?!). „Ihre
Zusatzqualifikation (Fachberater für Unternehmensnachfolge) ist für uns
interessant.“
4. „Unsere Hausbank sagt, wir sind gut bei Ihnen
aufgehoben.“
Noch einmal vielen Dank ... (Ende des E-Mails)
Lehren und Schlüsse aus der Erfolgsstory
Eine sehr viel treffendere Darstellung, wie klientenorientierte
Honorargestaltung bei Neuklienten zum Erfolg führt, kann es meines
Erachtens fast nicht mehr geben. Die – aus Sicht des Klienten –
wichtigen Punkte sind glasklar dargestellt.
Mein Resümee ist, dass für einen Teil des Erfolgs die „technischen“
Elemente klientenorientierter Honorargestaltung verantwortlich sind: Das
Vorhandensein eines Leistungsangebots für eine möglichst schnelle
Reaktion, der Fragebogen für Erstgespräche etc. Und klar ist auch, dass
es mit einigem Aufwand verbunden ist, diese notwendigen "Hausaufgaben"
zu erledigen.
Der – aus meiner Sicht – größere, aber nicht schwierigere Teil ist die
Geisteshaltung, die hinter einer klientenorientierten Honorargestaltung
steht. Diese Einstellung drückt sich aus in: „Wir möchten schnell
reagieren“, „wir möchten den Auftrag für uns gewinnen“, „wir
interessieren uns tatsächlich für die Anliegen des Klienten“, „wir sind
von unseren Leistungen überzeugt“, „wir stehen zu unseren Honoraren,
denn dann sind wir mit Spaß an der Arbeit“ und „wir werden uns
anstrengen, das Honorar zu rechtfertigen“.
Nochmals herzlichen Dank für die Erfolgsstory. Ich hoffe und wünsche
mir, dass sie alle Leser ermutigt, in ähnlicher Weise mit einer
derartigen Leistungs- und Honorargestaltung weiterzumachen oder eben
genau jetzt damit zu beginnen.
Schreiben Sie mir Ihre Erfolgsstory. Kommentieren Sie diesen Beitrag.
Sorgen Sie für mehr Selbstbewusstsein. Schaffen Sie zufriedenere
Klienten bei höheren Honoraren!