Der Traum einer sich selbst organisierenden Kanzlei
In nächster Zeit stehen wieder in vielen Kanzleien Strategiemeetings
auf der Agenda. Das ist gut so. Das nahende Jahresende ist eine gute
Gelegenheit, einerseits zurückzublicken, und andererseits in die Zukunft
zu schauen und Ziele für das kommende Jahr zu fixieren. Zum Thema
Strategie-
und Strategiemeeting finden Sie eine Fülle von Beiträgen auf meiner
Homepage.
Bei diesen Strategiemeetings ist der Wunsch nach einer sich
selbst organisierenden Steuerberatungskanzlei verständlicherweise groß.
Tatsache ist jedoch, dass in vielen Fällen oft gerade das Gegenteil der
Fall ist. Eine enorme Anstrengung ist notwendig, um die Kanzlei „zu
organisieren“ (sie zu entwickeln, sie für die Zukunft fit zu machen, als
Kanzlei für Klienten und Mitarbeiter attraktiv zu sein, etc.).
Mit dem folgenden Beitrag möchte ich Sie durch sehr grundsätzliche
Fragestellungen bei Ihrem nächsten Strategiemeeting unterstützen und Sie
damit der sich selbst organisierenden Kanzlei ein kleines Stückchen
näher bringen.
Strategie, Struktur und Kultur
Die entscheidende Voraussetzung, dem Ideal der Selbstorganisation näher
zu kommen, ist, dass die Kanzlei über aufeinander abgestimmte Strategie,
Struktur und Kultur verfügt. Die folgenden Begriffsbestimmungen,
Grundsatzfragen und Analysemöglichkeiten liefern Ihnen gemeinsam mit den
anderen
Strategiebeiträgen
ein gutes Fundament für Ihre - sich nahezu selbst organisierende –
Kanzlei.
1. Zu „Strategie“
Bei Strategie geht es nicht um die Entscheidungen in der Zukunft,
sondern um die Zukunftswirkung heutiger Entscheidungen. Strategie hat,
nach Peter Drucker, prinzipiell offene Zeithorizonte.
3 Fragen:
1. Was benötigt der Markt? bzw. Wofür bezahlt uns der
Klient?
2. Worin besteht unsere Überlegenheit? bzw. Was
können wir besser als andere?
3. Woher kommt unsere Kraft? bzw. Woran glauben
wir?
Analyse der eigenen Situation:
- Inwieweit verfügt Ihre Kanzlei über eine „Strategie“?
- Inwieweit ist diese Strategie in der Kanzlei bekannt und
bewusst?
- Inwieweit werden durch diese Strategie bestehende
Erfolgspotenziale genutzt?
- Inwieweit werden durch diese Strategie neue Erfolgspotenziale
genutzt?
- Welche Methoden der Strategieentwicklung gibt es in der
Kanzlei?
2. Zu „Struktur“
Struktur hat mehr mit Prozessen als mit der Aufbauorganisation zu tun.
„Wie funktioniert die Kanzlei?", ist die entscheidende Frage.
„We overestimate the event and underestimate the process. Every
fulfilled dream occurred because of dedication to a process.”
3 Fragen:
1. Wie müssen wir uns organisieren, damit das, wofür
der Klient uns bezahlt, im Zentrum der Aufmerksamkeit steht und von dort
nicht mehr verschwinden kann?
2. Wie müssen wir uns organisieren, damit das, wofür
wir unsere Mitarbeiter bezahlen, von diesen auch wirklich getan werden
kann?
3. Wie müssen wir uns organisieren, damit das, wofür
die Firmenspitze (Inhaber, Partner) bezahlt wird, von dieser wirklich
getan werden kann?
Analyse der eigenen Situation:
- Inwieweit sind die Kernprozesse der Kanzlei nicht nur definiert,
sondern werden sie auch eingehalten?
- Wer sorgt dafür, dass die Prozesse optimiert werden?
- Wer sorgt dafür, dass die Prozesse eingehalten werden?
- Was benötigt der dafür Verantwortliche?
3. Zu „Kultur“
Richtiges Management ist richtige Kultur. Und zwar eine Kultur der
- Wirksamkeit
- Leistung
- Professionalität
- Verantwortung
- spürbaren menschlichen Gemeinschaft
Es gibt nur zwei Möglichkeiten eines wirklich tief greifenden
Kulturwandels:
1. Krise
2. Personalentscheidungen
Analyse der eigenen Situation:
- Wie würden Sie die Kultur Ihrer Kanzlei beschreiben?
- Wie würden Ihre Partner die Kultur Ihrer Kanzlei beschreiben?
- Wie würden Ihre Mitarbeiter die Kultur der Kanzlei
beschreiben?
- Inwieweit unterstützt bzw. behindert Ihre Kanzleikultur Ihre
Strategie und die vorhandenen Strukturen?
Resümee
So individuell jede Kanzlei ist, so unterschiedlich werden die Antworten
ausfallen. Wichtig ist, dass Sie sich mit den Fragen überhaupt
beschäftigen. Kombiniert mit den typischen Fragestellungen von
Strategiemeetings
werden Sie dann die für Ihre Kanzlei passenden Antworten finden. Das ist
der erste Schritt.
Der zweite und entscheidende Schritt ist dann, dass es den
Führungskräften der Kanzlei (Inhabern, Partnern und Teamleitern)
gelingt, die für sie wichtigsten Aufgaben aus der Fülle der vorhandenen
Aufgaben herauszuschälen. Solange das nicht gelungen ist, bleibt eine
sich nahezu selbst organisierende Kanzlei nur ein Traum.