Wie Steuerberater ihre Zukunft sichern können
„Na endlich!“, werden Sie sich möglicherweise denken. Endlich wagt
Stefan den Schritt und sagt, wie sich die Branche entwickeln wird.
Gerade in Zeiten wie diesen sehnen sich doch viele Menschen danach zu
wissen, was die Zukunft bringen wird. Und gerade in Zeiten wie diesen
ist es ein besonderes Wagnis, Prognosen zu erstellen.
Ich gehe jedoch dieses Risiko in zweifacher Hinsicht nicht ein.
Insofern möchte ich Ihre Erwartungen relativieren. Ich werfe erstens
keinen Blick in die Kristallkugel, um zu erkennen, was die Zukunft
bringen wird, sondern betrachte die Gegenwart, um daraus Schlüsse zu
ziehen. Und zweitens ziehe ich keine allgemein gültigen, sondern meine
höchstpersönlichen Schlüsse und empfehle Ihnen dringend, das Gleiche zu
tun: Beobachten Sie genau, was sich derzeit tut, und ziehen Sie Ihre
persönlichen Schlüsse daraus.
Ich hoffe – und wünsche es mir –, dass Sie den Beitrag nun trotzdem,
auch wenn Sie damit keine Prognosen meinerseits erhalten werden, bis zum
Schluss lesen. Er könnte vielleicht eine kleine Kristallkugel für Sie
darstellen.
Es sind aus meiner Sicht die für Sie richtigen Antworten auf vier
Fragen, die die Zukunft des Steuerberaters – nämlich Ihre persönliche
Zukunft – nicht nur sichern werden, sondern sie höchst erfolgreich sein
werden lassen.
Freude an der Arbeit
Freude ist aus meiner höchstpersönlichen Sicht der Start- und
Ausgangspunkt. Ich meine damit nicht den oft „strapazierten“ Spaß an der
Arbeit, sondern die Freude an den Resultaten der Arbeit. Arbeit macht
nicht immer Spaß. Kann sie auch nicht.
Daher die
Frage N° 1:
Wie erhalte ich mir die Freude an meiner
Arbeit? (Oder leider oft auch: Wie gewinne ich sie wieder
zurück?)
Mein Menschenbild ist, dass jeder Mensch in seinem Leben etwas leisten
möchte. Freude entsteht nicht durch Zufall, „Glück“ oder die äußeren
Umstände z. B. eines Lottogewinns, sondern aus dem Verfolgen und
Erreichen von sich selbst gesetzten Zielen. Misserfolge und das
Scheitern gehören dazu, auch wenn sie im ersten Moment keine freudvollen
Erfahrungen sind.
Wenn
Ziele fehlen, kann ich – so meine Sichtweise – nicht dauerhaft die
Zukunft sichern. „Klären Sie Ihre Ziele!“, ist daher die erste
Empfehlung. Das klingt einfach, ist es aber nicht. In Seminaren betone
ich immer wieder – mit etwas Sarkasmus: Viele Menschen verbringen mehr
Zeit mit ihrer Urlaubsplanung als mit ihrer Lebensplanung.
Freude an der Arbeit hat sehr viel damit zu tun, mit den „richtigen“
Menschen zu arbeiten. Natürlich fallen einem dazu in erster Linie die
Klienten ein.
Zielgerichtete
Klientenauswahl ist daher ein zentraler Erfolgsfaktor. Er wird
allerdings oft vernachlässigt.
Mindestens genauso wichtig, wenn nicht wichtiger, sind die Beziehungen
zu den Partnern und Mitarbeitern.
Schwierigkeiten
in der Partnerschaft rauben – so meine Erfahrung – sehr schnell jede
Freude an der Arbeit. Die Organisation der Partnerschaft (und ich
spreche hier von der beruflichen Partnerschaft) ist eine große
Zukunftsherausforderung für jeden Steuerberater. Vor allem deshalb, da
der Anteil der Partnerschaften in den letzten Jahren stark gestiegen ist
und sich diese Entwicklung fortsetzen wird. Selbst der „Einzelkämpfer“
ist in dieser Hinsicht gefordert. Vielleicht nicht in dem Ausmaß wie
eine Partnerschaftskanzlei, aber auch er muss sich mit seinen leitenden
Mitarbeitern immer wieder abstimmen.
Von der oft zitierten „Work-Life-Balance“ halte ich nicht viel. Das
Wort impliziert, dass das Eine (Work) schlecht sei, das Andere (Life)
gut wäre und sich beide Komponenten ausgleichen sollen. Ich meine, dass
wir nur ein Leben haben. Die entscheidende Frage ist doch, ob wir in
jenem Teil des Lebens, den wir mit Arbeit verbringen, Energie gewinnen
oder verlieren. Und übrigens gilt das auch für jene Teile des Lebens,
die wir nicht mit Arbeit verbringen. Das führt uns zur Ausgangsfrage
zurück: Habe ich Freude an der Arbeit, dann stellt sich nicht die Frage
nach einer „Balance“, die es übrigens – so meine Meinung – auf Dauer gar
nicht geben kann. Wichtig ist, dass ich immer wieder überprüfe, ob mein
„Gesamtleben“ mit all seinen Komponenten stimmig ist. Gewinne ich
Energie aus dem, was ich mache (sei es im Beruf oder außerhalb des
Berufs)?
„Ziele“, „die richtigen Menschen“ und „Energie gewinnen“ sind daher
meine Antworten auf die erste Frage.
Werfen Sie einen Blick in Ihre Kristallkugel! Nehmen Sie sich Zeit, um
Ihre Antworten zu dieser besonders persönlichen Frage zu finden.
Mitarbeiter finden und halten
Ich habe sicher eine eingeschränkte Sichtweise in Bezug auf die gesamte
Branche. Meine Sichtweise zeigt mir allerdings, dass jene Kanzleien, die
„etwas richtig machen“ (siehe dazu weiter unten die Frage N° 3), wenig
bis gar keine Schwierigkeiten haben, neue Mandanten und Aufträge zu
akquirieren, sondern dass deren Herausforderung das Gewinnen von
Mitarbeitern ist.
Somit die
Frage N° 2:
Wie gewinne und halte ich die besten
Mitarbeiter?
Mit dieser Frage geht ein ganzes Bündel an Themen auf. Z. B. die Frage,
die sich jeder Steuerberater stellen muss: Bin ich
„Trainer“
oder „Spieler“ und falls meine Stärken in der Fach- und
Klientenarbeit liegen, wer führt und entwickelt die Mitarbeiter?
Ich sehe weniger einen
Krieg
um Talente (obwohl das „Angebot“ schon auf Grund der natürlichen
Gegebenheit schwacher Geburtenjahrgänge zurückgeht), sondern die große
Herausforderung, die Kanzlei als attraktiven Arbeitgeber zu
positionieren. Die klassischen Methoden der Mitarbeitersuche
(insbesondere Stellenanzeigen) werden auf Dauer zu kurz greifen.
Facebook,
Xing,
You Tube übernehmen einen großen
Anteil bei der Entscheidung für einen Arbeitsplatz. Diese Plattformen
stehen stellvertretend dafür, was Ihre derzeitigen Mitarbeiter zu ihrem
Arbeitsplatz sagen (sei es im World Wide Web oder bei Gesprächen mit
Freunden, Bekannten, Seminarteilnehmern etc.). Communities werden immer
wichtiger!
Mitarbeiter entscheiden sich für Kanzleien und sie verlassen Chefs. Für
die Gewinnung von Mitarbeitern ist das Kanzleiimage am Mitarbeitermarkt
(in der Community) von größter Bedeutung. Um gute Mitarbeiter halten zu
können, sind exzellente Vorgesetzte (Inhaber, Partner, Teamleiter)
gefragt. Weiß der Mitarbeiter, was von ihm erwartet wird? Hat der
Mitarbeiter Karrierechancen? Gibt es Entwicklungsmöglichkeiten? Wie
steht es um die interne Kommunikation? (Lesen Sie dazu auch
„Mitarbeitergespräche
richtig führen“.)
Es geht nicht um eine neue revolutionäre Art der Mitarbeiterführung,
sondern um das Anwenden, Professionalisieren und Perfektionieren des
derzeitigen Wissens zur
Mitarbeiterführung!
Sind Sie bereit dazu? Wollen Sie der Mitarbeiterführung und
-entwicklung jenen Stellenwert in der Kanzlei geben, der schon lange
notwendig ist? Nämlich die allerhöchste Priorität! Und nicht nur
handeln, wenn gerade Zeit übrig bleibt oder wieder einmal „dringender
Handlungsbedarf“ besteht.
Sobald jemand für einen Mitarbeiter verantwortlich ist, führt er bzw.
soll er führen. Wer führt die Mitarbeiter in Ihrer Kanzlei? Wer wird
Ihre Mitarbeiter künftig führen? Können diese Personen Führung lernen?
Welche Organisationsstruktur ist dafür sinnvoll?
Werfen Sie einen Blick in Ihre Kristallkugel! Nehmen Sie sich Zeit, um
Ihre Antworten auf diese Fragen zu finden.
Basisgeschäft sichern und Innovationen schaffen
Auch – oder besser gesagt besonders – für die Formulierung der dritten
Frage sind keine hellseherischen Fähigkeiten notwendig. Ein genauer
Blick auf die Gegenwart reicht aus:
Frage N° 3:
Wie sichere ich mein Basisgeschäft und schaffe
gleichzeitig Innovationen?
Seit mehreren Jahren wird den traditionellen Geschäftsfeldern der
Steuerberatung (Lohnverrechnung, Finanzbuchhaltung, Jahresabschluss und
Steuererklärungen) der Niedergang vorhergesagt. Zum einen durch die
„Bierdeckelsteuererklärung“ und zum anderen durch die fortschreitende
Liberalisierung des Berufsrechts.
Von einer echten Verwaltungsvereinfachung ist jedoch nichts – absolut
nichts – zu spüren. Ganz im Gegenteil, die fachlichen Anforderungen an
den Berufsstand steigen sowohl in Österreich wie in Deutschland
kontinuierlich. Die Liberalisierung des Berufsrechts sehe ich
differenziert. „Konkurrenz belebt das Geschäft!“ ist – vor allem aus
Sicht des Kunden – eine Tatsache. Meine Sichtweise des
Steuerberatungsmarkts zeigt, dass Kanzleien, die ihre Arbeit sehr gut
machen, vom Preis- und Kostendruck wenig bis gar nichts spüren,
währenddessen Kanzleien, die Schwierigkeiten in der Leistungserbringung
haben, der rauere Wind der zunehmenden Konkurrenz ins Gesicht
bläst.
Verspüren Sie in letzter Zeit gestiegenen Konkurrenzdruck, so kann das
ein Anzeichen dafür sein, dass Ihre Basisleistungen nicht so gut sind,
wie sie es annehmen. Beklagen Sie sich nicht über zunehmende Konkurrenz,
sondern verbessern Sie Ihre Leistungs- und Servicequalität!
Aufgabe jedes Unternehmens ist es, seine Produkte bzw. Dienstleistungen
so günstig wie möglich herzustellen. Das gilt natürlich auch für jede
Steuerberatungskanzlei. Dazu sind aber keine vollständig neuen Verfahren
notwendig. Aus meiner Sicht reicht es aus, die derzeitigen Möglichkeiten
auszuschöpfen. Die bereits vorhandenen Potenziale für
Produktivitätsverbesserungen
(sei es technologischer oder arbeitsmethodischer Art) sind mehr als
ausreichend. Gelingt Ihnen dann noch die Umsetzung einer
klientenorientierten
Leistungs- und Honorargestaltung, haben Sie Ihr Basisgeschäft in
zweifacher Hinsicht gesichert: Erstens von der Kostenseite und zweitens
durch die Zufriedenheit Ihrer bestehenden Klienten.
Unter „Innovation“ reihe ich nicht futuristische oder vollständig neue
Leistungsmerkmale in der Steuerberatung ein. Ich betrachte es als
innovativ, den derzeitigen Anforderungen an den Berufsstand exzellent
nachzukommen. Das ist schwierig genug! Dazu zähle ich, endlich das zu
tun, was auf dem Kanzleischild steht, nämlich zu beraten! Beratung
bedeutet, die Zukunft des Klienten positiv zu gestalten bzw. zu
beeinflussen. Beratung bedeutet, proaktiv zu sein und nicht nur zu
reagieren, wenn der Klient ein Problem hat. Beratung bedeutet, die
Wünsche des Klienten zu erkennen und sie professionell zu erfüllen.
Beratung bedeutet, sich in der Branche des Klienten auszukennen und ihm
einen Mehrwert durch dieses Know-how zu bieten. Beratung bedeutet
besonderes Fachwissen zu besitzen, über das die meisten Steuerberater in
der näheren Umgebung nicht verfügen, und es zum Wohl des Klienten
einsetzen.
„Produktivitätsverbesserung“ (aber nicht im Sinne von mehr produktiven
Stunden) und „Leistungs- und Honorargestaltung“ sind meine Antworten auf
die Frage nach der Absicherung des Basisgeschäfts. Wie ist es in Ihrer
Kanzlei dazu bestellt?
„Proaktivität“, „
Spezialisierung“
und „
Kommunikationsfähigkeit“
sehe ich als beste Wege für Innovation in der Steuerberatung. Sind das
Topthemen in Ihrer Kanzlei?
Werfen Sie einen Blick in Ihre Kristallkugel! Nehmen Sie sich Zeit, um
Ihre Antworten auf diese Fragen zu finden.
Veränderungen bewältigen
Die vierte Frage zur Zukunft des Steuerberaters ist eine Frage anderer
Art. Sie ist allumfassend und auch nicht in der Ich-Form, sondern in der
Wir-Form gestellt:
Frage N° 4:
Wie bewältigen wir Veränderungen?
Auch die ersten drei Fragen sind insofern „Wir-Fragen“, als dass „ich“
mich zu deren sinnvollen Beantwortung immer mit Menschen in meinem
Umfeld abstimmen muss. Es sind keine „Ego-Fragen“. Die vierte Frage ist
aus meiner Sicht eine Frage unterschiedlicher Kategorie im Vergleich zu
den übrigen drei Fragen. Und zwar im Zusammenhang mit der ganzen
Organisation. Habe „ich“ (in Abstimmung mit den notwendigen Menschen)
sinnvolle Antworten auf die Ausgangsfragen erarbeitet, ist der nächste
Schritt, die ganze Kanzlei – als Organisation – entsprechend zu
verändern. Was auch immer Ihre Antworten auf die gestellten
Zukunftsfragen sind, sie werden – teils gravierende – Änderungen in
Ihrer Kanzlei zur Folge haben.
Change-Management ist in Mode. Funktionierendes Change-Management ist
selten. Meine Beobachtungen zeigen, dass ein Erfolgsfaktor für
gelungenes Change-Management die vorhandene Kanzleikultur ist. Der
„Mindset“ – die innere Einstellung oder Geisteshaltung – einer
kritischen Masse (nicht des ganzen Teams) entscheidet, ob Veränderungen
Chancen haben oder nicht. „Das haben wir immer schon so gemacht“ oder
„Was soll das bringen?“ sind beispielhafte Zeichen dafür, dass ein
positiver Mindset fehlt. Beschwerden von Inhabern und Partnern über
diese Situation sind nicht angebracht, da in den meisten Fällen sie
selbst der Grund dafür waren. Man spricht in diesem Zusammenhang von
einer „Vorgeschichte der Organisation“: Wurden immer wieder Initiativen
gestartet, viel geredet, aber wenig getan, dann ist es nur verständlich,
dass Mitarbeiter den Glauben an die Um- und Durchsetzung von –
notwendigen – Maßnahmen verloren haben. Kanzleien mit einer derartigen
„Vorgeschichte“ haben es schwerer und für sie ist es noch viel
wichtiger, die Fragen zu funktionierendem Change-Management zu
beantworten. Und auch danach zu handeln!
Für gelungenen Wandel braucht es glasklare unternehmerische
Entscheidungen, eine neue Unternehmensstruktur und neue Aufgaben für die
Menschen im Unternehmen. Fehlt eines der drei Kriterien, wird der Wandel
nicht von Dauer sein.
Ohne Antworten auf die folgenden Fragen können Veränderungen nicht
bewältigt werden:
- Warum sind gerade jetzt Veränderungen notwendig?
- Was soll bzw. muss sich ändern? Und was wird bzw. darf sich nicht
ändern?
- Was bringt der Wandel und wohin wird er unsere Kanzlei
führen?
- Wer wird verantwortlich sein?
- Wer braucht welche Informationen?
- Wie stellen wir sicher, dass wir auf dem richtigen Weg sind?
- Sind wir bereit für eine Änderung unserer Lebensweise? (Lesen Sie
dazu auch Strategie
und Diät.)
Die Veränderungen, die auf die gesamte Branche zukommen, sei es
hinsichtlich Technologie, Marktkonzentration, Klientenanforderungen
etc., sind groß. Die notwendigen Änderungen, die sich aus der
Beantwortung der ersten drei Fragen ergeben, können enorm sein. Wie
wollen Sie diese Veränderungen bewältigen? Sind Sie bereit für
glasklare unternehmerische Entscheidungen, neue Strukturen und neue
Aufgaben für Sie und Ihr Team?
Werfen Sie einen Blick in Ihre Kristallkugel! Nehmen Sie sich Zeit, um
Ihre Antworten auf diese Fragen zu finden.
Was nun?
Mark Twain sagte „Nach allem was ich erfahren habe, bin ich jetzt immer
noch verwirrt – nur auf höherem Niveau“. Falls Sie das jetzt im Moment
auch sind, so sehe ich das als gutes Zeichen. Sie können nicht, denn das
wäre ein Wunder, alle Antworten auf die vielen Fragen sofort parat
haben.
Meine erste Empfehlung ist, sich genügend Zeit zu nehmen, um über die
Fragen nachzudenken. Schreiben Sie Ihre Antworten auf. Meine zweite
Empfehlung ist, den angeführten Verweisen (Links) im Beitrag
nachzugehen. Ich meine, Sie finden die eine oder andere für Sie passende
Idee in den Beiträgen auf meiner Homepage.
Eine weitere Empfehlung ist, am
Peak.Performance.Program
oder an einem der
Kanzlei.Management.Foren
teilzunehmen. Dort erhalten Sie verlässlich Antworten. Nicht unbedingt
von mir, sondern von Ihnen selbst, indem Sie den dort vorgestellten
Gedankenprozess erleben.
Und zum Schluss lade ich Sie ein, die Kommentarfunktion zu nützen oder
mir Ihre Fragen
zu
schreiben. Ihre Zukunft soll es Ihnen wert sein. Und ich freue mich,
einen Beitrag zu Ihrer sicheren und erfolgreichen Zukunft leisten zu
können!