Eine Betrachtungsweise
„Servicewüste Deutschland“ ist inzwischen ein stehender Begriff. Minoro
Tominaga (Unternehmensberater und Buchautor) hat vor mehr als zehn
Jahren diesen Ausdruck geschaffen. Dass es nicht auch eine „Servicewüste
Österreich“ gibt, liegt wahrscheinlich nur daran, dass Österreich
einfach nur zu unbedeutend und zu klein im Weltgeschehen ist.
Besonders gut gefällt mir ja die „alte“ Geschichte, in dem eine
amerikanische Fluglinie Folder an ihre Passagiere verteilt hat, in denen
zu lesen war, dass die Unfreundlichkeit der Deutschen keine böse Absicht
wäre, sondern dass das in Deutschland eben so üblich ist. Inzwischen hat
sich – so meine Einschätzung – allerdings vieles zum Guten verändert.
Die Folder der Fluglinie gibt es jedenfalls nicht mehr!
Und in der Steuerberatung?
In der Steuerberatung hat sich in den letzten Jahren der Servicegedanke
immer stärker ins Bewusstsein aller Beteiligten geschoben. Es sind also
auch dort deutliche Fortschritte festzustellen. Klientenbefragungen und
Studien zeigen das.
Meine höchstpersönliche Wahrnehmung ist eine differenzierte. Ich stelle
fest, dass das Niveau bei typischen Servicefragen wie z. B. Begrüßung,
Telefonkontakt, Getränke im Besprechungszimmer etc. durchwegs gut ist.
Diese Servicemaßnahmen wurden in vielen Kanzleien professionell
umgesetzt. Diese Servicebereiche werden von Klienten als gut
eingeschätzt.
Ganz anders sehe ich die Situation aber dort, wo es um Beratung geht.
Und zwar Beratung im wortwörtlichen Sinn. Dort, wo der Klient erwartet,
dass der Steuerberater von sich aus Vorschläge macht, mit Ideen auf ihn
zugeht, die unmittelbare Zusammenarbeit erleichtert, mehr und
verständlicher kommuniziert etc.
Steuerberatung wird wichtiger
Die Grundlage für meine Einschätzung sind einerseits zig Beobachtungen
in österreichischen und deutschen Kanzleien, andererseits hat mich auch
ein Ergebnis einer österreichischen Klientenbefragung stutzig gemacht.
Auf die Frage „Was wird in der Steuerberatung wichtiger für Sie?“ hat
die überwiegende Mehrheit der befragten Klienten mit „Steuerberatung“
geantwortet. An zweiter Stelle wurde „Betreuung bei Betriebsprüfungen“
und erst danach wurden Themen wie „Controlling“,
„Sozialversicherungsberatung“, „Unternehmensberatung“ etc.
genannt.
Beratung kann immer nur in die Zukunft gerichtet sein. Es gibt keine
echte Beratung in die Vergangenheit. Ist daher die Meinung der Klienten
so zu interpretieren, dass er sich echte Steuerberatung wünscht? Ich
meine ja! Was bedeutet das?
Ein paar Ansatzpunkte:
- proaktiv (ein schönes Schlagwort) sein
- ständig die Zusammenarbeit hinterfragen und nach Ansatzpunkten für
deren Optimierung suchen
- sich sensationell gut auf jede Besprechung vorbereiten
Im Beitrag
„Mit
exzellentem Service Klienten halten und gewinnen“ habe ich einige
weitere Ideen bereits vorgestellt. Lesen Sie in diesem Zusammenhang auch
den Beitrag
„Die
Selbstverständlichkeiten einer Klientenbeziehung“.
Machen Sie „Service“ zu einem Dauerthema in Ihrer Kanzlei. Nicht nur
Service im Sinne von Begrüßung, Getränken, Höflichkeit etc., sondern
echtes Beratungsservice. Die Möglichkeiten zur weiteren Verbesserung der
Beratungsservice-Qualität sind unerschöpflich. Und Ihre Klienten werden
es zu schätzen wissen.