Der Anfang vom Ende
Beim
Honorar-Circle
dreht sich – wörtlich gemeint – alles darum, höhere Honorare und
gleichzeitig zufriedenere Klienten zu erreichen. Den dafür notwendigen
Kreislauf („circle“) habe ich in der Beschreibung des
Honorar-Circle
ausführlich dargestellt. Was vielleicht auf den ersten Blick nicht
ersichtlich ist: Beides, höhere Honorare und zufriedenere Klienten,
bedingen sich gegenseitig. Ist dieser Gedanke nicht ein schöner
Gedanke?
Gute und schlechte Honorare?
Bevor ich diesen angenehmen Zusammenhang erkläre, vorweg ein paar
Überlegungen zu „guten“ und „schlechten“ Honoraren:
- Gut bzw. schlecht ist immer relativ.
- Relativ – vor allem in Bezug zu den Kosten des Auftrags.
- Erst in zweiter Linie relativ zum Marktpreis (sofern es überhaupt
je einen Marktpreis für schwer vergleichbare Wissensdienstleistungen
gibt und Klienten eine Marktübersicht je haben können).
- Wenn Steuerberater über „schlechte“ Preise ihrer Kollegen klagen,
kann es leicht sein, dass diese Kollegen – trotz „schlechter Honorare“
– immer noch sehr gut mit diesen Aufträgen verdienen. Eben weil sie
Mengen-, Größen- und/oder Produktivitätsvorteile haben.
- „Schlechte“ Preise können durch die Verbesserung der
„Produktivität“ zu „guten“ Preisen gemacht werden (lesen Sie bitte
dazu „Produktivität
für Kopfarbeiter“.
- Damit hat Honorargestaltung immer auch mit der Leistungserstellung
und -gestaltung zu tun.
- Damit hat Honorargestaltung immer auch mit der Organisation und
den Kanzleiprozessen zu tun. Nicht zu vergessen, dass höhere
Auftragskosten sehr oft durch Unterdelegation entstehen.
Die Verbesserung der hier angesprochenen Faktoren ist ein mühevoller,
aber lohnenswerter Prozess, der natürlich nie zu Ende ist. Er stellt
eine Seite der unternehmerischen Herausforderung dar.
Der Teufelskreis
„Schlechte“ Honorare im oben definierten Verständnis sind der Startpunkt
eines wahrlich folgenschweren Teufelskreises:
1. „Schlechte“ Honorare erzeugen für den Mitarbeiter
einen enormen Druck, die Leistung – z. B. die laufende
Finanzbuchhaltung – so schnell wie möglich zu erledigen.
2. Es verbleibt keine Zeit bzw. es besteht keine
Chance, einmal „rechts oder links zu schauen“ und dabei weitere mögliche
Anliegen des Klienten zu erkennen.
3. Die Kommunikation mit dem Klienten wird auf ein
Minimum reduziert. Ein ausführliches BWA-Gespräch ist beispielsweise
„einfach nicht mehr drinnen“.
4. Der Mitarbeiter hat wenig bis keine Motivation,
sich besonders für den Klienten zu engagieren, wie z. B. einfach mal
eine halbe Stunde extra zu investieren, um über Verbesserungen
nachzudenken. Ganz zu schweigen davon, mit dem Klienten einmal
ausführlich über seine Anliegen und Wünsche an den Steuerberater zu
sprechen.
5. Der Klient wird durch das geringere
Leistungsniveau preissensibel und fordert eine Preissenkung.
6. Jetzt wird die beschriebene Situation natürlich
weiter verschärft. Sinkende Preise und damit rückläufige Umsätze sind
die Folgen.
7. Um diese Umsatzrückgänge einigermaßen
wettzumachen, werden neue Aufträge/Klienten, wieder zu „schlechten“
Honoraren, angenommen.
8. Damit wird die Situation noch weiter beschleunigt
und man steckt in einem sich selbst verstärkenden Teufelskreis mit dem
Ergebnis drastisch sinkender Gewinne, die nur deswegen nicht so schnell
auffallen, weil man (Inhaber, Partner und/oder Mitarbeiter) mehr und
härter arbeitet.
Das „Verteufelte“ an diesem Teufelskreis ist einerseits die
dahintersteckende Dynamik. Es ist andererseits auch die Tatsache, dass
er zu Beginn nur schwer erkennbar ist, jedoch wenn man darin gefangen
ist, nicht so leicht wieder rauskommt.
Die Wirkung von „guten“ Honoraren
Die erste unternehmerische Herausforderung (Leistungserstellung zu
optimalen Kosten) habe ich oben bereits beschrieben. Die zweite
unternehmerische Herausforderung verhindert den Teufelskreis
„schlechter“ Honorare: Der Unternehmer ist immer gefordert, den Wert der
vom Unternehmen erbrachten Leistungen zu erhöhen. (Lesen Sie bitte zu
„Wert“ auch den Beitrag
„Preis
ist, was Du zahlst - Wert ist, was Du erhältst“.)
Gelingt es einer Kanzlei, den Wert ihrer Leistung zu erhöhen, kommt sie
in den Genuss der Wirkung von „guten“ Honoraren:
- Der Mitarbeiter hat das gute Gefühl, dass er für den Auftrag
ausreichend Zeit hat.
- Er hat die Gelegenheit, auch mal „rechts oder links zu schauen“,
und erkennt weitere Beratungsfelder.
- Es fällt ihm leichter, ausführlicher mit dem Klienten zu sprechen
(der Auftrag hat ja einen „schönen Deckungsbeitrag“), was dazu führt,
dass durch diese gute Leistung die Zufriedenheit des Klienten
steigt.
- Der Klient ist in der Folge weniger preissensibel und es fällt der
Kanzlei deutlich leichter, die Preise zu erhöhen („anzupassen“ ist das
richtige Wort im Klientengespräch).
- Der Klient schätzt die ausgezeichnete Leistung und Empfehlungen
sind öfter an der Tagesordnung.
- Der Akquisitionsdruck ist durch die „guten“ Honorare, den einen
oder anderen Zusatzauftrag und einige Empfehlungen deutlich geringer.
Für neue Aufträge/Klienten ist man wesentlich selbstbewusster und kann
höhere Honorare selbstbewusster vertreten (lesen Sie bitte dazu „Selbstbewusstsein
statt Rechtfertigung“).
- Auch diese Dynamik ist sich selbst verstärkend – nur eben
positiv!
Natürlich braucht eine Kanzlei – trotz „guter“ Honorare – weiterhin eine
professionelle Führung. Unter anderem dafür, dass die „freie“ Zeit
sinnvoll für den Klienten eingesetzt wird. Höhere Honorare sind kein
Freibrief für geringere Produktivität!
Genauso wie „schlechte“ Honorare der Beginn eines Teufelskreises sind,
sind „gute“ Honorare mit richtigem Management der Startschuss für eine
kaum vorstellbare, fast unheimliche Aufwärtsentwicklung der
Kanzlei.
Wenn Sie sich jetzt fragen, „Wie soll ich das für meine Kanzlei nur
schaffen“, lesen Sie bitte die weiteren Beiträge rund um das Thema
Honorargestaltung oder werden Sie Mitglied im
Honorar-Circle.