Wie Sie vom Einen zum Anderen kommen
Wie ist Ihre persönliche Einstellung zu Ihren Honoraren? Das ist jene
entscheidende Frage, die Sie unbedingt beantworten sollten, bevor Sie
sich weiter mit dem Thema Honorargespräche auseinandersetzen.
Warum? Ganz einfach: Wir kommunizieren (letztendlich) immer, was wir
denken. Wenn Sie von der Gestaltung und Höhe Ihrer Honorare selbst
überzeugt sind, dann wird es Ihnen gelingen, diese auch Ihren Klienten
mit Überzeugung zu vermitteln. Was im umgekehrten Fall geschieht, können
Sie sich jetzt auch ausrechnen. Was denken Sie, wie glaubwürdig Sie ein
Honorar vertreten können, wenn Sie selbst dabei ein ungutes bzw.
unbestimmtes Gefühl haben?
Es werden Ihnen alle professionellen Gesprächstechniken wenig nützen,
wenn –sozusagen – Ihre gedanklichen Grundlagen bereits wackeln. Ihre
persönliche Einstellung wird jedes Honorargespräch wesentlich
beeinflussen.
Was hat Ihre Einstellung für Folgen?
- Sie werden Mühe haben, Ihre Honorare zu vertreten.
- Sie werden mit jeder Erfahrung, die Ihre Einstellung bestätigt,
weiter verunsichert.
- Sie werden in jedes Honorargespräch mit Unsicherheit gehen.
- Sie werden langfristig das Vertrauen zu sich selbst
verlieren.
Nun ist das Thema Selbstbewusstsein Inhalt ganzer Seminartage. Um für
Honorargespräche ausreichend Selbstbewusstsein aufzubauen, gibt es zwei
Themenfelder, die Sie mit der nötigen Energie versorgen können, um
erfolgreich Ihre Honorare durchzusetzen:
- Professionelles Wissen zum Thema Honorargestaltung: Hier ist meine
Empfehlung eindeutig: Lesen Sie dazu das Buch: „Honorargestaltung
gegen alle Regeln“ und die vielfältigen Beiträge zur
Honorargestaltung auf dieser Homepage.
- Professionelles Wissen zum Thema Gesprächsführung; d.h.
Kommunikationskompetenzen.
Die eigene Einstellung zu Preisgesprächen als Ausgangspunkt
Voraussetzung, um Preisgespräche erfolgreich führen zu können, ist,
seine eigene Einstellung dazu zu verändern. D.h. Preisgespräche als
Chance zu sehen, um
- den Klienten noch besser zu verstehen,
- noch mehr Vertrauen zum Klienten aufzubauen und um
- noch mehr Selbstbewusstsein für die eigenen Leistungen zu
erhalten.
Beim nächsten Anruf eines Klienten, der Sie um ein Gespräch wegen der
Höhe seines Honorars bittet, sollten Sie sich auf das Gespräch einfach
freuen. Wie oft hat man denn die Gelegenheit, die eigenen Leistungen auf
den Prüfstand zu stellen und durch ein professionelles Agieren, die
Klientenbeziehung sogar noch zu verbessern?
Lesen Sie dazu den Artikel
„Wenn
Klienten einen Preisnachlass verlangen“ in seiner gesamten
Länge.
Ein Leitfaden für die Gesprächsführung
I. Vorbereitung
So banal es klingen mag: Das Gelingen eines Gesprächs hängt wesentlich
von seiner Vorbereitung ab. Jede Mühe, die Sie bereit sind in diese
Arbeit vor einem Gespräch zu investieren, wird sich verlässlich im
Gespräch selbst bezahlt machen. Ihre Vorbereitungsarbeit hat zwei große
Themenbereiche. Auch wenn das jetzt für Sie verwunderlich klingen mag,
meiner Ansicht nach sind beide gleich wichtig.
1. Vorbereitung auf die Sachthemen: Hier gibt es keinerlei
Kompromisse. Sie müssen exakt wissen, was Sie ihrem Klienten zu welchem
Honorar anbieten können und wollen. Absolute Fitness in diesem
Themenfeld ist unabdingbare Grundvoraussetzung. Je klarer Sie Bescheid
wissen, desto klarer und überzeugender können Sie dieses Wissen auch
kommunizieren.
2. Vorbereitung auf die Person des Gesprächspartners: Das ist
für viele überraschend und wird manchmal auch belächelt. „Was soll mir
das bringen?“ ist eine oft gestellte Frage. Bedenken Sie allerdings :
Wenn Sie nicht wissen, wie ihr Gesprächspartner denkt und was ihn
überzeugen könnte, wie wollen sie dann die passenden Argumente
formulieren? Sich in den Gesprächspartner hineindenken zu können und
Empathie zu empfinden, macht Gespräche – ganz gleich welcher Art – erst
erfolgreich. Jeder Klient wird Ihnen gerne seine Aufmerksamkeit
schenken, sobald er merkt und spürt, dass Sie tatsächlich an ihm als
Person interessiert sind und nicht nur an einem „Verkauf“ Ihrer
Leistungen.
Mit dieser intensiven Art der Vorbereitung, gewinnen Sie Sicherheit.
Zum einen können Sie vorab in Ruhe planen, was Sie anbieten wollen, und,
weil Sie sich auch auf die Person vorbereitet haben, können Sie auch das
„Wie“ bzw. den Ablauf bereits gestalten. Da kann ihr Klient einiges an
Zwischenfragen und Einwänden vorbringen, mit der Sicherheit aus der
Vorbereitung werden Sie darauf gelassen reagieren können.
II. Das Gespräch führen
Gesprächseinstieg:
Die Grundregel der Gesprächführung lautet: Starten Sie unbedingt
positiv in jedes Gespräch – auch wenn das Thema heikel ist. Übrigens,
wenn ein Klient sein Geld ausgeben soll, ist das Thema für ihn
jedenfalls heikel. Die folgenden drei Punkte sollten Sie in jedem
Gespräch gleich zu Beginn klären:
- Thema: Worum geht’s?
- Ziel: Was ist Ihr Ziel?
- Und wie viel Zeit haben Sie dafür vorgesehen?
Holen Sie sich vom Klienten das O.k. zu diesen drei Punkten:
„Einverstanden?“.
Angebot ausbreiten und strukturieren:
Hier kommt Ihre Vorbereitungsarbeit zum Tragen. Sie können
strukturiert, prägnant und orientiert am Klienten Ihr Angebot
vorstellen. Sollten Sie in Ihrer Kanzlei über Folder oder sonstige
Unterlagen zu Ihren Dienstleistungen verfügen, verwenden Sie dieses
„Bildmaterial“. Ihr Klient kann sich damit „auf einen Blick“
orientieren.
Informationen vom Klienten einholen:
Jetzt ist Ihr Gesprächspartner an der Reihe. Seine Sichtweise und seine
Erwartungen sollten Sie unbedingt hören. Ihre Aufgabe ist es durch
gezieltes Nachfragen und vor allem Zuhören und nochmals Zuhören das
Gespräch zielgerichtet zu führen. Nur wenn Sie wirklich auch hinhören,
was Ihr Klient Ihnen mitteilt, können Sie etwas Neues erfahren. Nur
dadurch kann es Ihnen gelingen, Ihr Angebot und vor allem den Nutzen
daraus für Ihren Klienten darzustellen. Wenn Ihnen das ausreichend
gelingt, steht der Preis dafür meist nicht mehr zur Debatte, sondern
muss nur genannt werden.
Fassen Sie zwischendurch immer wieder kurz und prägnant zusammen, was
Sie verstanden haben! Nur so können Sie Missverständnisse sofort
ausräumen.
Entscheiden und Absprachen treffen:
Erst nachdem Sie die Sichtweise Ihres Klienten gehört haben und die
zugrunde liegenden Erwartungen ausgesprochen wurden, sind darauf
aufbauende Vereinbarungen und Absprachen sinnvoll. Letztendlich
erreichen Sie nur damit die volle Zufriedenheit Ihrer Klienten.
Mit dem gesamten Wissen, das Sie aus der Vorbereitung und zusätzlich
aus dem bisherigen Verlauf des Gesprächs gewonnen haben, sollten Sie in
der Lage sein, Ihrem Klienten eine eindeutige Empfehlung abzugeben.
Warten Sie jetzt nicht auf die Frage des Klienten: „Und was wird mich
das alles kosten?“ Sprechen Sie von sich aus die Honorarfrage an: „Ist
es für Sie in Ordnung, wenn wir jetzt das Honorar besprechen?“
2 Arten von Honorargesprächen
Bei der Honorargestaltung unterscheide ich zwischen abrechnungs- und
wissensorientierten Dienstleistungen (siehe dazu
"Höhere Honorare und zufriedenere Mandanten - wie geht das?"). So
unterschiedlich die Honorarmethoden für diese beiden Leistungsbereiche
sind, so unterschiedlich ist auch, auf Grundlage allgemein gültiger
Regeln für das Honorargespräch (siehe das Buch
„Honorargestaltung
gegen alle Regeln“) die Vorgangsweise beim jeweiligen
Gespräch.
1. Tipps für das Honorargespräch –
abrechnungsorientierte Leistungen:
Grundlage dafür ist eine „Menükarte“, d.h. ein strukturiertes und
bepreistes Dienstleistungsangebot für die Standardleistungen
Buchführung, Lohnverrechnung, Jahresabschluss und
Steuererklärungen.
- Klären Sie die Erwartungen des Klienten
- Verwenden Sie Ihre „Menükarte“
- Nennen Sie die günstigste Variante nicht zuerst
- Heben Sie die wesentlichen Besonderheiten
hervor
- Nicht verzetteln
- Sprechen Sie die Gefühle des Klienten an
- Geben Sie eine eindeutige Empfehlung
- Sprechen Sie auch von Ihren Honorarstandards
- Verwenden Sie immer die „Nutzensprache“ (… das bedeutet für Sie, …
Sie erhalten dadurch; …damit, etc.)
2. Tipps für das Honorargespräch – wissensorientierte
Leistungen:
Erst im Gespräch können Sie den genauen Umfang der Leistung fixieren
und damit auch den Wert Ihrer Leistung klären. Das perfekte Honorar für
wissensorientierte Leistungen kann es erst nach dem Klientengespräch
geben.
- Mit Fragen sich dem subjektiven Wert des Klienten nähern.
- „Anker“ auswerfen (… „üblicherweise verrechnen wir dafür Euro
_____“).
- Relationen herstellen.
- Die eigene Leistung nicht schmälern bzw. entwerten.
- Das Problem ist für den Klienten immer größer als es für Sie
ist.
- Nutzen, Nutzen, Nutzen und noch mal den Nutzen kommunizieren.
- Woran erkennt der Klient den Wert?
- „Was ist es Ihnen wert?“ ist immer eine gute Frage, wenn der
Nutzen nicht eindeutig zu bestimmen ist.
- Aufwand bzw. Zeit ist die Notlösung.
Gesprächsabschluss:
Zum Abschluss eines Gesprächs, sollten Sie unbedingt die besprochenen
Punkte nochmals zusammenfassen: Alle Absprachen und Entscheidungen
schriftlich festhalten und wie den Beginn des Gesprächs auch das Ende
positiv gestalten. Das geht beispielsweise mit einem Danke für das
Gespräch – selbst wenn es nicht zu einer Honorarvereinbarung bzw. zu
einem Auftrag gekommen sein sollte.
Fazit
Die „Kunst der (Honorar-) Gesprächsführung“ unterliegt Regeln und
Gesetzmäßigkeiten. Dabei können Ihnen Techniken aus der
Gesprächsführung, wie z. B. das Aktive Zuhören, helfen, Ihr
Gesprächsverhalten zu professionalisieren. Immer aber liegt es auch in
Ihrer Verantwortung als Person, in der jeweiligen Situation individuell
auf Ihren Gesprächspartner zu reagieren. In jedem Alltagsgespräch mit
uns vertrauten Menschen können wir vom Gefühl her sehr gut erkennen,
welches Verhalten erfolgreich ist und welches nicht. Was uns dabei am
meisten hilft, ist, dass wir unsere Wahrnehmung auf diese uns bekannten
Gesprächspartner im Laufe unserer Beziehungen schon sensibilisiert
haben. Je genauer wir wahrnehmen, umso eher können wir angemessen und
erfolgreich auf sie reagieren. Das ist auch bei Klienten, selbst wenn
sie neu für Sie sind, nicht anders.
Eine gute Grundlage (z.B. durch ein strukturiertes Leistungsangebot),
eine solide Vorbereitung und die Beherzigung einiger weniger Tipps
lassen Honorargespräche gelingen. Stellt sich der Erfolg ein, wird man
„süchtig“ nach mehr. Und Sie werden beginnen, Honorargespräche zu
lieben. So jedenfalls wird es mir von Kollegen, die sich der Sache mit
Engagement angenommen haben, erzählt. Ich wünsche es auch Ihnen!