Und wie Sie damit umgehen können
Emotionen spielen in jedem Kaufprozess eine wichtige, wenn nicht die
wichtigste Rolle. Kaufentscheidungen werden meist „aus dem Bauch heraus“
getroffen und nachher rationalisiert, d.h. mit guten Argumenten
begründet.
Den Kaufprozess zu verstehen, bedeutet, die Gefühle des Käufers zu
verstehen. Klientenorientierte Honorargestaltung beinhaltet, die
Honorargefühle des Klienten zu kennen und darauf passend zu
reagieren.
Im Wesentlichen sind es vier Emotionen, die bei jedem Klienten und bei
jeder Auftragserteilung, allerdings in unterschiedlicher Ausprägung,
vorkommen:
1. Honorarunsicherheit
2. Honorarwiderstand
3. Honorarunbehagen
4. Zahlungswiderstand
Honorarunsicherheit
Honorarunsicherheit lässt sich durch Honorarvereinbarungen im Vorhinein
fast vollständig vermeiden. Solange Sie nicht im Vorhinein das Honorar
klären, haben Sie keine Chance, dem Klienten sein unsicheres Gefühl in
Bezug auf das Steuerberatungshonorar zu nehmen. Sie haben damit auch
keine weitere Gelegenheit auf die anderen drei Honoraremotionen zu
reagieren.
Die Möglichkeit, auf Honoraremotionen professionell reagieren zu
können, ist daher ein weiterer Grund, Honorare immer im Vorhinein zu
vereinbaren (neben vielen weiteren Gründen, die ich an anderer Stelle
schon mehrfach genannt habe).
Honorarwiderstand
Darunter versteht man den sprichwörtlichen „Preisetiketten-Schock“, den
wir alle kennen, wenn wir z.B. in einem Kaufhaus den Blick auf das
Preisetikett eines wirklich hochwertigen, tollen und interessanten
Artikels werfen. Mit dieser Honoraremotion ist man immer konfrontiert.
Sie ist eine vollkommen natürliche Reaktion.
Der Honorarwiderstand des Klienten ist leicht zu erkennen, da er immer
am Beginn der Auftrags- bzw. Honorarverhandlungen zu Tage tritt. Der
beste Weg, Honorarwiderstand zu verringern oder ganz zu beseitigen, ist,
den Wert und Nutzen Ihrer Leistung ausreichend und umfassend
darzustellen.
Der Honorarwiderstand in Form des „Preisetiketten-Schocks“ ist,
konsequent gedacht, eine „gesunde“ Emotion. Durch das Aussprechen
Ihres (hohen) Honorars erkennen Sie, ob der Klient bereit ist, den Wert
Ihrer Leistung zu schätzen. Tut er das nämlich nicht, stellt sich die
Frage, ob Sie den Klienten betreuen bzw. den Auftrag annehmen
sollten.
Honorarunbehagen
Nach der Vereinbarung eines Fixhonorars besteht genauso wie nach jeder
größeren Anschaffung die Sorge, die richtige Entscheidung getroffen zu
haben. Die vielen Werbeeinschaltungen der führenden Automarken zielen
vor allem auf bestehende Kunden ab, die durch die Anzeigen in ihrer
bereits getroffenen Kaufentscheidung bestärkt werden sollten.
Dem möglichen Honorarunbehagen ihrer Klienten nach einer
Fixhonorar-Vereinbarung können Sie am Besten dadurch begegnen, dass Sie
sich nach der Auftragserteilung besonders bemühen, sich um den Klienten
kümmern, ihn von sich aus kontaktieren, ihm vermitteln, dass Sie sich
anstrengen und er die richtige Entscheidung getroffen hat. Eine
Zufriedenheitsgarantie ist ein weiterer Baustein, um das
Honorarunbehagen des Klienten nach der Auftragserteilung zu
reduzieren.
Zahlungswiderstand
Wer bezahlt denn schon wirklich gerne seine Rechnungen? Der
Zahlungswiderstand ist das schlichte Herausschieben der Banküberweisung.
Je weniger Sie gegen die anderen drei Honoraremotionen gemacht haben,
desto größer ist der Zahlungswiderstand des Klienten.
Eine Verringerung des Zahlungswiderstandes erreichen Sie in erster
Linie durch promptes Abrechnen Ihrer Leistungen. Spätes Fakturieren ist
für den Klienten eine Einladung zu spätem Bezahlen Ihrer
Honorarnote!
Eine weitere Verringerung des Zahlungswiderstands erreichen Sie, wenn
Sie den Klienten bei den Zahlungsmodalitäten mit einbeziehen. Die
Fixhonorarvereinbarung sollte daher auch die Zahlungsbedingungen nach
Absprache mit dem Klienten enthalten.
Die stärkste Wirkung gegen den Zahlungswiderstand hat
selbstverständlich eine Einzugsermächtigung bzw. ein Bankeinzug. Dieses
Instrument wird aus meiner Sicht in Österreich viel zu wenig eingesetzt.
Die Ursache dafür ist die unbegründete Angst des Steuerberaters vor dem
drohenden Klientenverlust. Die Erfahrung zeigt, dass der Großteil der
Klienten ganz und gar keine Abneigung gegen eine Einzugsermächtigung
hat.
Resümee
Klientenorientierte Honorargestaltung hat sehr viel mehr mit Emotionen
zu tun, als es den Eindruck macht. Genauso wie
"Preisfindung
eine Kunst ist" , und Sie dafür ein „Gespür“ brauchen, so sind
erfolgreiche Honorargespräche vom Gespür für die Gefühle des Klienten
geprägt.