Mehr als man glaubt …
Viele Steuerberater stellen sich die Frage, ob sich eine intensive
Beschäftigung mit der Honorar- und Leistungsgestaltung der Kanzlei
auszahlt. Sollte man vom bestehenden, gewohnten und „bewährten“ System
der Honorargestaltung abrücken und neue Honorarmethoden ins Auge fassen?
Wie ändern sich dann die Honorare? Wie reagieren die Klienten? Das sind
die häufig gestellten Fragen in diesem Zusammenhang.
Gleich vorweg: Ich bin der festen Überzeugung „JA!“, ein Überdenken und
Neugestalten der Honorargestaltung in Richtung mehr Honorartransparenz
und -sicherheit für den Klienten lohnt sich immer. Die positiven
Auswirkungen sind größer und stärker, als es sich die meisten
Steuerberater vorstellen können.
Die Meinung österreichischer Steuerberater
Im Rahmen der Arbeitstagung der Kammer der Wirtschaftstreuhänder im Mai
2008 in Wien wurde den Teilnehmern die folgende Frage gestellt:
Gesetzt den Fall, Sie verfügen über eine transparente, in sich
schlüssige Honorargestaltung für Ihre Standarddienstleistungen (LV, BH,
JAB, STERKL, ...), wie würden sich Ihre Honorare verändern?
Die Verteilung der knapp 200 anonym gegebenen Antworten sieht wie folgt
aus:
stark
sinken
|
2 % |
leicht sinken
|
11 % |
| gleich bleiben |
46 % |
leicht steigen
|
37 % |
stark steigen
|
4 % |
Welche Schlüsse lassen sich aus diesen Antworten ziehen?
87 % der Steuerberater meinen, dass sich die Honorare nicht
verschlechtern. Nur 13 % der Steuerberater befürchten eine Reduktion;
möglicherweise infolge höherer Transparenz, Vergleichbarkeit und mehr
Erklärungsnotwendigkeit.
Knapp die Hälfte der Steuerberater (46 %) geht von keiner Änderung der
Honorarhöhe aus. Dieses Ergebnis werte ich als positiv, denn eine
transparente und in sich schlüssige Honorargestaltung sorgt sicher für
mehr Klientenzufriedenheit. Das alleine rechtfertigt eine derartige
Honorargestaltung.
Besonders interessant finde ich jene 37 %, deren Einschätzung eine
leichte Erhöhung des Honorars ist. Der Begriff „leicht“ ist natürlich
relativ. Bleiben wir mal bei 3 % (wobei die Bandbreite zwischen 1 % und
10 % liegen kann). Eine Erhöhung der Honorare um 3 % bedeutet in einer
durchschnittlichen Kanzlei mit rund 30 % Umsatzrendite eine
Gewinnsteigerung von 10 %! Das lohnt sich wohl auf alle Fälle.
Lediglich 4 % erwarten sich eine starke Steigerung der Honorare, wobei
selbstverständlich auch „stark“ ein relativer Begriff ist. Gehen wir mal
von mehr als 10 % aus, dann würde das eine Gewinnsteigerung von einem
Drittel bedeuten!
Meine persönliche Einschätzung
Wie an anderen Stellen immer wieder ausgeführt (z.B.
Der
Einzige, der ein Problem mit dem Honorar hat … und
Selbstbewusstsein
statt Rechtfertigung), sehe ich enorme Potenziale in der
Honorargestaltung.
Meine Einschätzung ist, dass Honorarsteigerungen zwischen 5 % und 25 %
realistisch sind. Dies beruht auf der Erfahrung aus dutzenden Projekten
in Sachen Honorargestaltung.
Selbst wenn Sie diese Sichtweise nicht teilen und Ihre Erwartungen
geringer sind, so lohnt sich die Auseinandersetzung mit der Leistungs-
und Honorargestaltung sicher, da Sie „Nebenwirkungen“ in zweierlei
Hinsicht hat:
1) In Bezug auf Klienten z.B.
- höhere Klientenzufriedenheit durch Transparenz und Sicherheit
- daraufhin höhere Weiterempfehlungsquoten
2) In Bezug auf die Kanzleientwicklung z.B.:
- stärkeres Bewusstsein der eigenen Leistungen
- mehr Transparenz innerhalb der Kanzlei über das gesamte Spektrum
der Leistungen
- Klientenanalysen zeigen einerseits Mängel aber andererseits auch
Umsatzpotenziale auf
Mehr dazu finden Sie auch im Beitrag
Dienstleistungen
strukturieren und Fixhonorare vereinbaren – ein
Erfahrungsbericht.
Geben Sie „Wert“ und „Preis“ mehr Bedeutung
Der Preis als strategische Größe ist in Steuerberatungskanzleien leider
zuwenig ausgeprägt. Und der Wert der Leistungen wird vom Klienten
vielfach nicht wahrgenommen, damit auch nur selten wirklich
honoriert.
Ich meine, es ist Zeit, über einen
CVO
(
Chief
Value
Officer)
nachzudenken (die englischen Begriffe sind ja derzeit hip!). Mit dem CVO
ist niemand geringerer gemeint, als jene Person, die sich um „Wert und
Preis“ der Dienstleistungen sorgt. Dessen Verantwortung und
Zuständigkeit es ist, immer den „richtigen“ Preis im Auge zu haben und
immer den „richtigen“ Wert der Leistungen darzustellen.
Wert und Preis sind zu wichtig, als dass sie nur nebenher (z.B. beim
Abrechnen meist unter Zeitdruck) ihre Beachtung finden.
Bleibt noch eine offene Frage: Wie werde ich CVO? Ganz einfach, durch
die Teilnahme am
Honorar-Circle>>>