Und Wege, das heraus zu finden …
Inhaber, Partner und Teamleiter stellen mir diese Frage immer wieder.
Und natürlich hat sie eine enorme Berechtigung, denn die Art und Weise
der Mitarbeiterführung beeinflusst das Ergebnis der Kanzlei
entscheidend.
Erster Schritt - Selbstanalyse
Als Ausgangspunkt der Beurteilung des Führungsverhaltens ist eine
Selbstanalyse immer hilfreich. Diese Methode habe ich in
„Die
wöchentliche Führungs-Checkliste“ bereits vorgestellt. Sie ist
simpel, nicht einfach aber höchst wirkungsvoll. Vorausgesetzt Sie
handeln auch danach!
Wer kann die Qualität der Führung beurteilen?
Die Selbstanalyse mit konkreten Maßnahmen – wie im Beitrag beschrieben –
verbessert verlässlich Ihr Führungsverhalten. Allerdings können nur
jenen Menschen letztendlich die Qualität Ihrer Führung beurteilen, die
von Ihnen geführt werden. Und das sind Ihre Mitarbeiter. Es führt also
kein Weg daran vorbei, sie zu fragen.
Ein Weg ist, in vielen persönlichen Gesprächen mit Ihren Mitarbeitern
Ihre Führungsqualitäten zu besprechen. Und unzweifelhaft hat diese
Methode große Vorteile, wie die Möglichkeit bei Unklarheiten nachfragen
zu können, Argumente besser verstehen zu lernen, sich über
unterschiedliche Sichtweisen austauschen zu können etc. Voraussetzungen
dafür sind allerdings ein enormes Vertrauensverhältnis und eine fast
grenzenlose Offenheit. Und – sie brauchen dafür natürlich auch eine
ganze Menge Zeit.
Ein zweiter Weg ist, eine jährliche Mitarbeiterbefragung durchzuführen.
Dabei werden Mitarbeiter – selbstverständlich anonym – mittels eines
umfangreichen Fragebogens mit einer Fülle von Aussagen konfrontiert und
nach Ihrer Meinung gefragt. Sie erhalten dadurch ein gutes
Stimmungsbild, wie Ihre Mitarbeiter denken, und können daraus Ihre
Schlüsse ziehen. Eine umfassende Mitarbeiterbefragung durchzuführen, ist
aufwändig. Sie wird daher üblicherweise nur einmal pro Jahr oder alle
zwei Jahre durchgeführt.
Kurz-Check zum Führungsverhalten
Gute Erfahrungen habe ich auch mit einem dritten Weg gemacht: Dem
Kurz-Check zum Führungsverhalten:
3 bis 4 mal pro Jahr erhalten die Mitarbeiter einen kurzen Fragebogen
(max. 20 Aussagen), den sie anonym in Bezug auf Ihren unmittelbaren
Vorgesetzten beantworten.
Mit den hier vorgestellten 20 Aussagen decken Sie ein breites Spektrum
der Mitarbeiterführung ab:
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Name des Vorgesetzen
_____________________________ |
widerspreche
stark
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widerspreche |
widerspreche
eingermaßen |
stimme einiger-
maßen zu
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stimme zu |
stimme
stark zu
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1
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sorgt dafür, dass ich mich für die hohen Leistungsziele
anstrenge
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2
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kümmert sich um langfristige Themen, und nicht nur um
kurzfristige Gewinne
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3
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gibt mir konstruktives Feedback, das mir hilft meine
Leistungen zu verbessern
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4
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hat laufend Anregungen und Ideen, wie wir unsere Kanzlei
verbessern können
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5
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hilft mir bei meiner beruflichen Entwicklung
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6
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leitet Teammeetings auf eine Art und Weise, die dafür sorgt,
dass sich alle Beteiligten einbringen
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7
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gibt mir das Gefühl, dass ich Teil eines funktionierenden
Teams bin
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8
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betont und fordert Teamarbeit
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9
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kümmert sich um Leistungsdefizite und Mitarbeiter, die nicht
die volle Leistung bringen
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10
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hilft mir, dass ich noch besser verstehe, wie meine Aufgaben
ein Teil des großen Ganzen sind
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11
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ermuntert mich, Ideen zu entwickeln und Vorschläge für die
Kanzleientwicklung zu machen
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12
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hält mich über alle Angelegenheiten am Laufenden, die für
meine Aufgabe von Bedeutung sind
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ermuntert mich, Aufgaben und Projekte zu initiieren, die
wichtig sind
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ist öfter fordernd und fördernd als kritisch
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ist erreichbar, wenn ich mit ihm sprechen möchte |
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ist fair im Umgang mit den Mitarbeitern
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hört sich mehrere Meinungen an, um seine Entscheidung zu
treffen |
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handelt eher wie ein Coach als ein Chef
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19
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ist großzügig mit Vertrauensvorschüssen
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20
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kommuniziert klar und eindeutig; ist dadurch wirksam |
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Sie können durchaus Aussagen streichen bzw. Aussagen hinzufügen.
Wichtig ist, dass sie präzise und klar sind. Mehr als 20 Fragen würde
ich nicht verwenden, damit die Beantwortung ohne größeren Zeitaufwand
von jedem Mitarbeiter erfolgen kann.
Die Vorgangsweise beim Einsatz des Kurz-Checks zum
Führungsverhalten
Wenn Sie den Kurz-Check für sich und/oder Ihre Führungskräfte einsetzen
möchten, beachten Sie bitte die folgenden Tipps:
- Kündigen Sie in einer Mitarbeiterbesprechung an, dass Sie wissen
möchten, wie gut Ihr Führungsverhalten ist.
- Sprechen Sie dabei auch klar und deutlich aus, dass Ihnen nur
ehrliches und kritisches Feedback weiterhilft.
- Bitten Sie Ihre Mitarbeiter, bei der Beantwortung nicht nur die
letzten Tage bzw. die kürzlich stattgefundenen Ereignisse zu
berücksichtigen.
- Sagen Sie dabei auch, dass dieser Kurz-Check niemals ein
persönliches Gespräch ersetzen kann und Sie gerne ein Gespräch führen,
wenn ein Mitarbeiter das wünscht.
- Garantieren Sie Anonymität. Z.B. durch Aufstellen einer Box, in
die die beantworteten Fragebögen von den Mitarbeitern rein geworfen
werden.
- Führen Sie den Kurz-Check regelmäßig, d.h. mindestens 3 bis 4 Mal
im Jahr durch.
- Kommunizieren Sie die Ergebnisse.
Einen Punkt möchte ich noch besonders hervorheben: Es geht bei der
Analyse der Ergebnisse nicht um die absoluten Werte, sondern es geht
einzig und allein darum, ob Sie sich verbessern. Insofern ist die erste
Durchführung des Kurz-Checks nur der Startschuss für
Verbesserungsmaßnahmen. Ab dem zweiten Kurz-Check können Sie überprüfen,
ob Sie sich tatsächlich verbessert haben. Und das ist das wirklich
Entscheidende bei der Frage „Wie gut ist meine Mitarbeiterführung?“:
Nämlich, dass Sie täglich daran arbeiten, besser zu werden, weil man bei
der Mitarbeiterführung niemals ausgelernt hat!
Mögliche weitere Schritte
Nach der Durchführung von mehreren Kurz-Checks und – hoffentlich –
einigen Maßnahmen Ihrerseits, ist es möglich, auf die Anonymität bei der
Befragung sogar zu verzichten. Haben Ihre Mitarbeiter nämlich erkannt,
dass Ihnen das Thema Mitarbeiterführung wirklich wichtig ist, dass Sie
auf berechtigte Kritik reagieren, dass Sie hart an sich arbeiten, dann
haben Sie eine enorme Vertrauensbasis geschaffen.
Möglicherweise passiert die Aufhebung der Anonymität auch von selbst,
indem der eine oder andere Mitarbeiter seinen Namen auf den Fragebogen
schreibt. Nichts Besseres kann geschehen, denn so können Sie noch
spezifischer an Ihren Führungskompetenzen arbeiten. Und das ist der
Zweck des Kurz-Checks zum Führungsverhalten: Nicht „Fishing for
compliments“ zu betreiben („ich bin eh schon super“), sondern solide
Grundlagen zu erhalten, um sich in Führungsaufgaben weiter zu
entwickeln.