Die Herausforderung „Trainer“ und „Spieler“ meistern – ein
Erfolgsfaktor für jede Steuerberatungskanzlei
Inhaber, Partner und Führungsmitarbeiter in freiberuflichen Unternehmen
sind, im Gegensatz zu Führungskräften in anderen Branchen, mit einer
besonderen Herausforderung konfrontiert: Sie müssen nicht nur Ihre
Mitarbeiter führen, sondern sind gleichzeitig auch als Fachexperten in
der operativen Arbeit gefordert. Beide Aufgaben „unter einen Hut“ zu
bekommen, ist ein entscheidender Erfolgsfaktor für die
Kanzleientwicklung. Mit diesem Beitrag möchte ich die bestehenden
Konfliktpotenziale, deren Konsequenzen und mögliche Lösungswege
vorstellen. Diese grundsätzlichen Überlegungen bilden die Grundlage, um
die ideale individuelle Situation zu erreichen.
1. Die Aufgaben als „Trainer“ und „Spieler“
Sie als Inhaber, Partner oder Teamleiter eines
Steuerberatungsunternehmens sind mit einer Reihe von Aufgaben, wie
z.B.
- Lösung von Fachfragen,
- Klientenbetreuung,
- Kanzleientwicklung,
- Projektleitung,
- Organisation und Führung,
- Verwaltung,
- Coaching der Mitarbeiter und
- anderen unternehmensbezogenen Aufgaben
konfrontiert.
Diese vielfältigen Aufgaben lassen sich in zwei grundsätzliche Gruppen
trennen. Einerseits Ihre Aufgaben als
„Trainer“, d.h.
Führen und Leiten der Kanzlei bzw. des Teams, und andererseits Ihre
Aufgaben als
„Spieler“, d.h. Lösung von Fachfragen,
Klientenbetreuung etc.
Betrachtet man die beiden Aufgaben bzw. Rollen und deren Anforderungen,
stellt man fest, dass es zwischen ihnen signifikante Unterschiede
gibt:
|
Trainer
|
Spieler |
| Ergebnisse in der Mitarbeiterführung sind nicht schnell
sichtbar |
Schnell sichtbare Ergebnisse durch das Feedback des
Klienten |
Beschäftigung mit Details und menschlichen Problemen ist
kompliziert und frustrierend
|
Intellektuell herausfordernde, spannende Tätigkeit und
"Spaß" |
| Aktivitäten sind nicht so gut planbar - sichtbare Erfolge in
der Führung sind nur sehr schwer messbar |
Aktivitäten sind leichter planbar und der Erfolg ist messbar;
es gibt Meilensteine im Klientenprojekt (der Erfolg ist spätestens
durch die Honorarabrechnung sichtbar) |
Daraus ergeben sich auch die bestehenden Konfliktpotenziale:
| Trainer |
Spieler |
| Kernaufgabe ist die Mitarbeiterführung und -entwicklung |
Kernaufgabe ist die Lösung von Klientenaufträgen |
| Überwiegend nach innen gerichtet |
Überwiegend nach außen gerichtet |
| Mittel- bis langfristig |
Kurzfristig |
Geringe Dringlichkeit
|
Hohe Dringlichkeit |
| Strategische Unternehmensentwicklung |
Operatives Handeln |
Ergebnisse nur schwer messbar
|
Ergebnisse sofort und leicht messbar |
Wenig bis kein Feedback über den Erfolg
|
Unmittelbares Feedback durch den Klienten |
| Emotional herausfordernd |
Intellektuell herausfordernd |
| Menschen im Vordergrund |
Sachverhalt im Vordergrund |
| Keine eindeutigen Lösungen |
Eindeutige Lösungen (meist??!!) |
Sie können aus dieser Gegenüberstellung erkennen, dass die beiden
Aufgaben diametral zueinander stehen. Die Konsequenzen aus der
mangelhaften Bewältigung der vorhandenen Konfliktpotenziale sind daher
auch weit reichend. Bitte analysieren Sie Ihre persönliche Situation
anhand des folgenden Kurz-Checks:
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trifft zu |
trifft nicht zu |
1
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Gefahr, eine Rolle zu vernachlässigen |
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2
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Spielerrolle erscheint attraktiver |
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3
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Ständiger Zeitkonflikt |
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4
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Ständiges Gefühl, zu wenig Zeit zu haben |
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5
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Ständiges Schuldgefühl (entweder gegenüber den Mitarbeitern
oder gegenüber den Klienten) |
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6
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Gefahr, dass Kanzleientwicklung insgesamt verzögert
wird |
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7
|
Gefahr, dass wichtige und für den Erfolg entscheidende
Faktoren zu wenig beachtet werden
|
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|
Steuerberater berichten mir in Seminaren und Workshops immer wieder,
dass für sie alle 7 Aussagen zutreffen. Haben Sie daher allen Aussagen
zugestimmt, bedeutet das „Willkommen im Club“.
2. Die grundsätzlichen Optionen
Der erste Schritt, um diese nicht zufrieden stellende Situation zu
verbessern, ist, das eigene Bewusstsein zu schärfen, klarer die
unterschiedlichen Anforderungen zu erkennen, sich selbst genauer zu
beobachten und daraus die ersten Schlüsse zu ziehen.
Grundsätzlich betrachtet gibt es 3 Möglichkeiten, die vorhandene
Herausforderung zu meistern:
1. nur „Trainer“ mit der Delegation
von Fachaufgaben;
2. nur „Spieler“ mit der Delegation
von Führungsaufgaben;
3. „Spieler-Trainer“ mit einer
klaren Vorstellung darüber, wie beide Aufgaben professionell gelöst
werden können.
Die beiden ersten Varianten fallen Steuerberatern üblicherweise enorm
schwer. Nur in Ausnahmefällen oder besonderen Partnerkonstellationen
findet sich ein Weg, diese Option in Reinform umzusetzen.
3. Ergebnisse der Steuerberaterbefragung
Während der letzten 4 Jahre beteiligten sich mehr als 100 Inhaber,
Partner und Führungskräfte von Steuerberatungskanzleien an der Befragung
zum Thema
„Trainer
& Spieler“. Im Folgenden stelle ich die wesentlichsten
Ergebnisse kurz dar. So können Sie Ihre Meinung mit denen der Kollegen
in Österreich und Deutschland vergleichen (die vollständigen Ergebnisse
der Studie können Sie
hier>>> downloaden):
1. Das Bewusstsein, dass die Bewältigung der beiden Rollen eine
entscheidende zukünftige Herausforderung ist, ist
gegeben:
2. Auf die Frage, ob sich Steuerberater auch schon mit dieser
Thematik auseinandergesetzt haben, ergibt sich jedoch ein völlig anderes
Bild:
3. Die Zufriedenheit mit den Ergebnissen aus der Tätigkeit als
„Spieler“ fällt deutlich höher aus im Vergleich zu den Ergebnissen als
„Trainer“.
4. Zusätzliches Führungswissen gewinnt immer mehr an Bedeutung
– so die Meinung der Steuerberater:
5. Die Mehrheit der befragten Steuerberater sieht ihren
zukünftigen Schwerpunkt in der Trainer-Rolle:
6. Die meisten Steuerberater wollen in Zukunft beide Rollen
ausüben!
Nur wenige der Teilnehmer beantworteten den gesamten Fragebogen (43
Fragen) stringent und in sich schlüssig. Oft wurden teilweise
widersprüchliche Antworten gegeben, woraus sich schließen lässt, dass
das Rollen- und Aufgabenverständnis nicht eindeutig und klar ist. Die
Teilnehmer bestätigten allerdings, dass alleine das Beantworten der
Fragen, ihr Problembewusstsein erhöht hat und damit die Grundlage für
Lösungen gelegt wurde.
4. Lösungswege für „Trainer“, „Spieler“ und „Spieler-Trainer“
Leider kann ich Ihnen kein Patentrezept anbieten, wie das Dilemma,
„Führungs- und Fachaufgaben unter einen Hut zu bringen“, gelöst werden
kann. Faktoren, die man berücksichtigen sollte, sind:
- die persönliche Stärken des Inhabers, der Partner und/oder der
Teamleiter
- die bereits vorhandenen Stärken im Team
- Einzelkanzlei oder Partnerschaft?
- derzeitige und angestrebte Größe der Kanzlei
- derzeitige und gewünschte Kanzleikultur in Bezug auf
Führung
Die im Folgenden vorgestellten Lösungsansätze stellen grundsätzliche
Erfolgsstrategien für die jeweilige Rolle dar, auf der Sie weitere
Überlegungen anstellen können.
1) „Trainer“:
Fällt Ihre Entscheidung dahingehend aus, sich in Zukunft verstärkt den
Führungsaufgaben widmen zu wollen, schlage ich vor:
- Saubere Delegation von Fachaufgaben an Ihr bestehendes Team.
- Sukzessives Überführen der Klientenverantwortung an
Mitarbeiter.
- Aufbau einer „rechten Hand“ für fachlich schwierige Aufgaben.
- Kontinuierlicher Rückzug aus Klientenbesprechungen und Übergabe
der Verantwortung an Mitarbeiter.
- Verstärkung der Führungskompetenzen z.B. durch
Managementtrainings.
- Implementierung von Führungswerkzeugen in Ihrer Kanzlei.
- Überdenken Ihrer persönlichen Arbeitsmethodik; Berücksichtigung
der Änderungen, die sich aus der Konzentration auf Führungsaufgaben
ergibt.
- Beibehalten eines kleinen aber feinen Spezialgebietes – für Ihr
Ego als Steuerberater!
2) „Spieler“:
Die meisten Steuerberater haben den Beruf gewählt, weil sie sich an den
fachlichen Herausforderungen messen wollten. Insofern ist eine
„Rückkehr“ zum Spieler für Inhaber, Partner und Teamleiter in Bezug auf
Fachaufgaben nicht besonders schwierig. Die größten Herausforderungen
bei einer Konzentration auf Spieler-Aufgaben sehe ich in:
- der Delegation von Führungsaufgaben. Das ist die größte
Herausforderung.
- dem Aufbau einer „rechten Hand“ für Führungsaufgaben; ich erinnere
Sie dabei an das bekannte Kanzleimodell mit einer „Kanzleileiterin“
(meist weiblich mit langjähriger Erfahrung im Job), die die
Kanzlei „geschaukelt“ hat.
- dem Aufbau einer zweiten starken Führungsebene (Teamleiter,
Abteilungsleiter) – abhängig von der Kanzleigröße.
- der Stärkung von Führungspositionen, die durch Mitarbeiter
wahrgenommen werden.
3) „Spieler-Trainer“:
Unzweifelhaft ist der „Spieler-Trainer“ das Modell, für das sich die
meisten Steuerberater letztendlich entscheiden. Ich meine, dass eine
Bewältigung dieser vielfältigen Aufgaben nur durch höchste
Professionalität in
beiden Bereichen möglich ist. Dazu zähle ich
u.a.:
- die richtige persönliche Arbeitsmethodik; ein Betätigungsfeld, das
über enorme Verbesserungspotenziale verfügt.
- eine klare eigene Karriereplanung aus der hervorgeht, welchen
Tätigkeitsbereichen Priorität eingeräumt wird.
- die Konzentration auf das Wesentliche; klingt einfach ist jedoch
enorm schwierig.
- eindeutige Kanzleiwerte und -prinzipien, anhand derer sich die
Mitarbeiterführung orientiert.
- den Mut zu einer klaren Strategie.
- das Prinzip des „work smart“, das bedeutet, Trainer- und
Spieleraufgaben zu verknüpfen (z.B. Klientenmarketing mit
Mitarbeitermarketing zu verbinden; Klientenbesprechungen als
„Trainingseinheiten“ für Mitarbeiter zu gestalten, etc.)
- die grundsätzliche Einstellung, Gegensätze nicht nur auszuhalten,
sondern sie sogar zu forcieren; d.h.. immer eher das „Und“ als das
„Oder“ zu sehen
5. Resümee
Ab dem Zeitpunkt, in dem man den Fokus auf die Herausforderungen von
„Trainer“ und „Spieler“ wirft, entwickelt man eine selektive Wahrnehmung
(wie übrigens bei anderen Fragestellungen auch). Die eigene kritische
Beobachtung und die strukturierte Auseinandersetzung mit den
vorgestellten Überlegungen führen zu den passenden individuellen
Lösungen.
Für die Mehrheit der Steuerberater wird auch die Zukunft durch die
„Spieler-Trainer-Rolle“ geprägt sein. Das erfordert eine professionelle
Vorgangsweise in beiden Aufgabengebieten, um die negativen Konsequenzen
der Vernachlässigung einer Aufgabe zu vermeiden. Diejenigen
Steuerberater, denen es gelingt, diese Herausforderung zu meistern,
werden auch zukünftig deutlich erfolgreicher sein, als Ihre
Mitbewerber.
Informationen zum Seminar Trainer & Spieler
hier>>>
Zum Donwload des Folders „Trainer & Spieler“
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