Ziele mit Messgrößen verbinden
Der Aussage „Nur was Sie messen können, können Sie auch managen“
stimmen die meisten Steuerberater schnell zu. Genau darin liegt ja auch
eine ihrer Kernkompetenzen. Lassen Sie mich doch die Aussage aus einem
anderen Blickwinkel formulieren: „Messen Sie, was Sie managen möchten“.
Meiner Meinung hilft diese Betrachtungsweise, die wirklich wichtigen
Kriterien im Auge zu behalten und damit auch besser steuern zu
können.
Lassen Sie mich diese Sichtweise anhand zweier Beispiele
darstellen:
1. Fluglinien:
Continental Airlines, über lange Zeit eine Erfolgsstory im heiß
umkämpften Luftfahrtmarkt, fokussiert sich vor allem auf drei
Kennzahlen:
- Pünktliche Ankunft
- Verlorenes Gepäck
- Passagierbeschwerden
Jeder, der immer wieder per Flugzeug reist, wird bestätigen, dass diese
3 Faktoren die aus Kundensicht entscheidenden Kriterien sind. Natürlich
sehen sich die Manager auch die finanzwirtschaftlichen Zahlen an. Die
Tatsache, dass die genannten 3 Kennzahlen täglich beobachtet werden,
sorgt dafür, dass bei Continental Airlines alles dafür unternommen wird,
pünktlich anzukommen, kein Gepäck zu verlieren und die Passagiere
zufrieden zu stellen.
2. Computer:
Dell hat den PC-Markt revolutioniert. Dell steht für kundenspezifische
PC-Ausstattung mit Lieferung an die Haustür und technischem Support in
bisher nicht bekannter Schnelligkeit. Damit das erreicht wird, schaut
Dell (neben den typischen Finanzkennzahlen) kontinuierlich auf
- Erfüllung der Bestellungen
- Produktleistung
- Qualität und Schnelligkeit des Supports
Können Steuerberater von der Vorgangsweise dieser Unternehmen etwas
lernen? Ich meine, ja!
Die beiden Beispiele zeigen, dass die Ziele des Unternehmens mit
konkreten – aus Kundensicht betrachteten – Messgrößen verknüpft worden
sind. Die Verbesserung dieser sogenannten Key Performance Indicators
(KPI) bringt diese Unternehmen ihren Zielen näher. Und in der Folge
verbessert sich damit auch ihr wirtschaftliches Ergebnis.
Daraus ergibt sich die Frage: „Welche – aus der Sicht des Klienten
betrachteten – Ziele verfolgen Sie mit Ihrer Kanzlei"? Erst wenn Sie auf
diese Frage klare Antworten geben können, ist die Voraussetzung
geschaffen, dafür auch passende Messgrößen zu finden.
Sollte Ihre Antwort z.B. „Klientenzufriedenheit“ sein, dann
bedeutet das, dass Sie die Zufriedenheit messen sollten. Eine Fülle von
Möglichkeiten dafür habe ich auf
www.stefanlami.com
schon vorgestellt (Fragen nach Zufriedenheit des Klienten im Anschluss
an jede Bilanzbesprechung, Klientenbesuche, Klientenbefragungen,
Klientenbeirat, „Ampel-E-mail“ zur Klientenzufriedenheit). Weiß jeder im
Team, dass die Zufriedenheit gemessen wird, wird sich jeder dafür
anstrengen.
Ist Ihr Ziel, den Klienten durch ein umfangreicheres Beratungsangebot
mehr Nutzen zu stiften, dann sollten Sie die Umsätze aus der klassischen
Steuerberatung den Umsätzen aus Beratungsleistungen gegenüberstellen (am
besten täglich!).
Ist Termintreue ein Ziel, dann sollten Sie sie messen. Ein einfaches
Mittel dafür ist, dass in Ihrer Kanzlei eine Aufstellung mit „zugesagten
Terminen" und „Terminerledigungen“ geführt wird. Täglich können alle
nachsehen, ob das Ziel erreicht wird!
Hinter diesen Überlegungen steht der Grundgedanke
„Getan wird,
was gemessen wird“! Überlegen Sie daher genau, was gemessen
wird. Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass es auch getan wird. Lesen Sie
in diesem Zusammenhang auch
„Produktivität
für Kopfarbeiter“. Ist nämlich die – falsch verstandene –
Produktivität (das Verhältnis der produktiven zu den unproduktiven
Stunden) eine wichtige Messgröße in Ihrer Kanzlei, dann werden
Mitarbeiter viele produktive Stunden „erzeugen“, was aber nicht
gleichzeitig heißt, tatsächlich auch produktiv zu sein.