Tipps für den gelungenen Betreuerwechsel
Es wird wohl keinen Steuerberater geben, der nicht die folgende
Situation kennt: Ein Mitarbeiter, der schon seit Jahren selbstständig
Klienten betreut, verlässt die Kanzlei oder bekommt in der Kanzlei eine
neue Aufgabe. Die Klienten haben die Zusammenarbeit mit diesem
Mitarbeiter geschätzt, haben sich an ihn „gewöhnt“ und erhalten nun
einen neuen Betreuer.
Unabhängig vom Grund des Betreuerwechsels ist damit eine Reihe von
Risiken entstanden. Einige Risiken sind z. B.:
- Der Klient kann unzufrieden sein, da er sich auf einen neuen
Betreuer einstellen muss.
- Der Klient befürchtet, dass Wissen verloren geht.
- Der neue Betreuer stellt Fragen, die der Klient schon mehrmals
beantwortet hat, was zu Unzufriedenheit seitens des Klienten
führt.
- Der Klient hat noch kein Vertrauen zu seinem neuen Betreuer. Er
ist unsicher, ob die Zusammenarbeit auch in Zukunft gut klappen
wird.
Auf den ersten Blick betrachtet, ist die Klientenbeziehung durch den
Betreuerwechsel in Gefahr.
Nur Risiken? Oder auch Chancen?
Wo Risiken sind, sind immer auch Chancen. Betrachten wir daher die
andere Seite der Medaille „Betreuerwechsel“, die Chancen, wie z. B.:
- Der neue Betreuer bringt neuen Schwung in die
Klientenbeziehung.
- Zusätzliche Beratungsfelder werden entdeckt.
- Der Klient nützt die Gelegenheit des Betreuerwechsels, seine
Erwartungen eindeutiger zu konkretisieren. Daher können zukünftig
seine Wünsche noch besser erfüllt werden.
- Der neue Betreuer hinterfragt Sachverhalte des Klienten und
entdeckt bisher nicht beachtete Aspekte.
Natürlich hängt der Erfolg eines Betreuerwechsels von den Kompetenzen
des neuen Betreuers ab. Werden beispielsweise einem Berufsanfänger die
Aufgaben eines erfahrenen Mitarbeiters übertragen, dann wird er sicher
damit überfordert sein und braucht daher enorme Unterstützung.
Geht man davon aus, dass der neue Betreuer über adäquate Kompetenzen
verfügt, dann bieten sich bei professioneller Vorgangsweise die
beschriebenen Chancen. Ist das nicht der Fall, also fehlen Kompetenzen
beim neuen Betreuer, dann sind die entstehenden Probleme keine Folge des
Betreuerwechsels, sondern eine Konsequenz mangelhafter Aus- und
Fortbildung des neuen Betreuers.
Was Steuerberater von guten Banken lernen können
Vor kurzem hatte ich selbst das Vergnügen, in der Haut eines Kunden
zu stecken, der mit einem neuen Betreuer zusammenarbeiten muss. Und
gleich vorweg, der „alte“ und der „neue“ Firmenkundenbetreuer meiner
Hausbank haben diese Situation derartig gut gelöst, dass ich mich auf
die weitere Zusammenarbeit freue. Ich meine, Steuerberater können eine
ganze Menge von guten Banken lernen. Aber jetzt der Reihe nach. Wie hat
es die Bank geschafft, mir den Betreuerwechsel nicht nur angenehm zu
gestalten, sondern mich davon auch schwärmen zu lassen?
Zuerst möchte ich betonen, dass ich mich bei meinem bisherigen
Betreuer, nennen wir ihn der Einfachheit halber C., sehr gut aufgehoben
fühlte. Er kannte bestens meine private Situation, meine beruflichen
Aktivitäten und meine Sonderwünsche bei den verschiedensten
Finanzierungen und Veranlagungen. Gab es einmal außergewöhnliche Fragen,
dann war der Weg zum Vorstand der Bank immer sofort möglich, da ich auch
zu ihm ein sehr gutes Verhältnis habe.
In einem unserer regelmäßigen Treffen schilderte mir C. im Oktober
letzten Jahres, dass er zum Jahreswechsel eine neue Aufgabe in der Bank
übernehmen wird. Mich freute es, dass C. ein weiterer Karriereschritt
gelungen ist und gratulierte ihm dazu. Er betonte, ihm wäre
selbstverständlich klar, dass der Wechsel des Firmenkundenbetreuers für
mich nicht angenehm wäre, er sich aber schon eine Menge Gedanken gemacht
habe, wer aus seiner Sicht als Nachfolger für ihn in Frage käme. Er
nannte mir die Namen der möglichen Kandidaten (es waren vier) und fragte
mich, ob ich einen davon bevorzugen würde. Da ich keinen der möglichen
Betreuer näher kannte, hörte ich auf seinen Rat, D. zu nehmen. Er würde
sehr gut zu mir passen und es würde ihn freuen, wenn er ihn mir beim
nächsten Gespräch Anfang Dezember vorstellen könnte, schloss C. das
Gespräch ab. So weit, so gut. Ich wusste fürs Erste, dass ich einen
neuen Betreuer bekommen würde und immer noch die Möglichkeit hatte, mich
beim nächsten Gespräch Anfang Dezember anders zu entscheiden.
Anfang Dezember war es so weit: Und, ganz ehrlich gesagt, schon nach
den ersten paar Minuten war mir klar, dass mich auch D. in Zukunft gut
betreuen wird. Ich dachte also nicht einmal eine Sekunde darüber nach,
den neuen Betreuer nicht zu akzeptieren, und schon ganz und gar nicht
zog ich in Erwägung, die Bank, die mich über Jahre hinweg ausgezeichnet
bediente, zu wechseln. Woran lag es, dass ich mich sofort wieder gut
aufgehoben fühlte?
- Nach einer herzlichen Begrüßung stellte sich D. kurz vor und
schilderte mir seinen beruflichen Werdegang.
- Danach forderte C. D. auf, einfach mal zu erzählen, was er von mir
und meinem Geschäft schon wusste. Natürlich hat sich D. meine Homepage
angesehen. Die Übersicht meiner Kredite, Konten, Depots etc. hatte er
vor sich und kannte auch alle notwendigen Details.
- D. stellte mir immer wieder Fragen, die gerade ein Stückchen
tiefer gingen als bisher bekannt war.
- D. ermunterte mich, ihm ein bisschen mehr von mir und meinem
Unternehmen zu erzählen.
- Er bat mich auch, meine besonderen Wünsche zu artikulieren, denn
jetzt wäre ja die beste Gelegenheit dazu.
- Wir sprachen darüber, welche Praktiken wir unbedingt weiter
behalten wollten (z.B. den direkten Weg zum Vorstand bei
außergewöhnlichen Anliegen) und welche Teile der Zusammenarbeit wir
ändern sollten.
- D. fragt mich auch, ob er sich für meinen Newsletter anmelden
könnte; was er am darauf folgenden Tag auch tatsächlich gemacht
hat.
- Wir konnten sofort die eine oder andere Frage klären.
- C. hielt sich beim gesamten Gespräch eher im Hintergrund und
ergriff nur die Initiative, um D. zu unterstützen.
- C. versicherte mir auch, dass er, falls notwendig, immer für
Fragen zur Verfügung stünde.
Insgesamt betrachtet war es ein äußerst angenehmes Gespräch, in dem
mir das Gefühl vermittelt wurde, dass sich ein jüngerer Mitarbeiter
enorm für mich einsetzen wird und er dabei die bisherige Zusammenarbeit
nicht nur beibehalten, sondern sogar weiter verbessern möchte.
Nicht eine Millisekunde dachte ich darüber nach, die Bank zu
wechseln. Jahrelange gute Zusammenarbeit, ein äußerst gutes Verhältnis
zum Vorstand und die Aussicht auf einen engagierten Firmenkundenbetreuer
sind für mich Gründe genug, weiter meiner Bank treu zu bleiben.
Tipps für den gelungenen Betreuerwechsel
Selbstverständlich gehen nicht alle Betreuerwechsel so erfolgreich
über die Bühne, wie der eben beschriebene. Und oft gibt es auch nicht
all die Möglichkeiten, die sich meiner Hausbank boten. Trotzdem, so
glaube ich, können ein paar wenige Grundsätze immer beachtet werden:
- Der Wechsel des Betreuers muss aktiv gemanagt werden. Sie sollten
immer in der aktiven Rolle bleiben.
- Immer den Klienten frühzeitig informieren.
- Natürlich sollten Sie ein persönliches Gespräch führen. Ich weiß,
dass das Zeit kostet. Denken Sie jedoch daran, was Ihnen die nächsten
Jahre guter Zusammenarbeit mit dem Klienten bringen werden.
- Dem Klienten Optionen anbieten. Aber auch dem Klienten konkrete
Vorschläge machen.
- Eine exzellente Vorbereitung des „Überleitungsgesprächs“ ist
Pflicht. Umfassende Informationen des alten Betreuers müssen an den
neuen Betreuer gehen. Gute Fragen vorbereiten. Zeigen, dass Wissen
übergeben wurde und nicht verloren geht.
- Den neuen Betreuer „ins rechte Licht“ rücken.
- Engagement und Einsatzbereitschaft des neuen Betreuers sind im
Gespräch und zu Beginn der Zusammenarbeit gefordert.
- Den Klienten offen nach Verbesserungswünschen fragen. Und dann
auch handeln!
Vorausgesetzt, dass die Beziehung zum Klienten bisher in Ordnung war,
dann sind durch das professionelle Managen des Betreuerwechsels die
Chancen deutlich höher als die Risiken. Bei kritischer Analyse stellt
man nämlich fest, dass die Schwierigkeiten oft nicht in der Tatsache
liegen, dass der Klient sich neu einstellen muss, sondern viel mehr,
dass es bisher in der Zusammenarbeit mit der Kanzlei insgesamt
Leistungsstörungen gab.
Ein Betreuerwechsel bietet immer die Möglichkeit, die Beziehung zum
Klienten auf den Prüfstand zu stellen. Gibt es dabei Beschwerden, dann
betrachten Sie diese bitte unbedingt als Chance (siehe dazu "Von
der Beschwerde zum begeisterten Klienten").
Aktiv gemanagte Betreuerwechsel können, sofern der Klient mit der
Kanzlei insgesamt zufrieden war, nur Erfolge bringen. Nützen Sie die
sich bietenden Chancen!
Ein ungewöhnlicher Gedanke eines Kunden?
Zum Schluss möchte ich noch einen vielleicht etwas gewagten Gedanken
formulieren: Sollte ich mir als Klient einer Steuerberatungskanzlei
nicht Sorgen machen, wenn ich über Jahrzehnte hinweg vom gleichen
Mitarbeiter betreut werde? Ich könnte daraus schließen, dass sich dieser
Mitarbeiter nicht weiterentwickelt. Ich könnte daraus auch schließen,
dass dieser Mitarbeiter einfach aus Routine heraus meine steuerlichen
Angelegenheiten erledigt.
Ich weiß, dass langjähriges Vertrauen enorm wertvoll ist. Umgekehrt
sehe ich aber auch, dass ich, in meinem Fall als Kunde der Bank, die
letzten Jahre von einem sehr guten Mitarbeiter betreut wurde. Er war so
gut, dass er einen Karrieresprung gemacht hat. Und ich wünsche mir und
meinem neuen Betreuer für die nächsten Jahre das Gleiche. Ist er nämlich
so gut, wie ich ihn einschätze, und davon profitiere ich natürlich, dann
wird er in den nächsten Jahren für größere Aufgaben bereit sein. Und das
ist gut so!