Der Schlüssel für die erfolgreiche Festsetzung von Honoraren
Immer mehr Kanzleien entscheiden sich für eine klientenorientierte
Honorargestaltung. Sie erarbeiten ein strukturiertes
Dienstleistungsangebot für ihre Kernleistungen und versuchen Fixhonorare
im Vorhinein zu vereinbaren. Sie erzielen damit teils beträchtliche
Erfolge und das freut mich.
Ich stelle jedoch immer wieder fest, dass sich Steuerberater mit der
Festsetzung der Preise unheimlich schwer tun. Es fällt den meisten
Steuerberatern ganz und gar nicht leicht, zu ihren Preisen zu stehen.
Ich erlebe immer wieder, dass fast schon ein
„Rechtfertigungsautomatismus“ eintritt, sobald sie auf das Honorar
angesprochen werden. Damit meine ich nicht nur, wenn Klienten das
Honorar ansprechen, sondern dieser „Reflex“ geschieht auch, wenn man
unter Kollegen spricht oder ich bei Beratungsaufträgen zur
Honorargestaltung nach den Preisen frage.
Selbstbewusstsein ist gefragt!
Versetzen Sie sich in die Situation, in der Sie in einem Erstgespräch
mit dem Klienten ein – aus Ihrer Sicht – hohes Honorar nennen. Nach dem
ersten „Schock“ des Klienten stellt er Ihnen vielleicht eine Frage in
der Art: „Warum haben Sie so hohe Honorare?“ Wie würden Sie darauf
reagieren?
Die meisten Steuerberater würden versuchen, sich zu rechtfertigen:
Kosten, Personal, Ausbildung, Schwierigkeit der Aufgabe, gutes Service
etc. Alles gute Argumente, die aber meist in eine Sackgasse führen.
Warum antworten Sie nicht einfach: „Weil wir hohe Honorare verrechnen
können!“ Damit drücken Sie aus, dass andere Klienten diese (hohen)
Honorare bezahlen und es schätzen, bei Ihnen Klient zu sein.
Stehen Sie ganz einfach zu Ihren (hoffentlich hohen) Honoraren!
Zeigen Sie Selbstbewusstsein! Knapp an der Grenze zur Arroganz! Der
Klient spürt sofort, dass Sie sich Ihrer Sache sicher sind. Genauso wie
er auch in der ersten Millisekunde merkt, wenn Sie nicht zu Ihren
Honoraren stehen.
Verstärkend zu Ihrem selbstbewussten Auftreten wirkt eine Preisliste,
auf der Ihre Honorare schwarz auf weiß stehen. Stehen aber auch
Sie dazu!
Sie ziehen die Honorargrenze!
Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, dass man nie mehr bezahlt
bekommt, als man selbst glaubt, wert zu sein. Der Preis, den Sie nennen,
ist Ihre Honorarobergrenze. Der Klient bezahlt niemals mehr.
Preisfindung
ist eine Kunst und keine Analyse. Natürlich sollten Sie bestehende
Preisstrukturen analysieren, um herauszufinden, bei welchen
Aufträgen/Klienten Sie Geld verdienen bzw. verlieren. Bleiben Sie aber
nicht an den bisherigen Preisen hängen.
Die Festsetzung von Preisen und das Entwerfen von Preismodellen
erfordert
- Neugierde,
- die Bereitschaft, Althergebrachtes aufzugeben,
- Ausprobieren,
- immer auf der Suche nach dem Wert sein,
- Klienten besser verstehen, wie Sie den Wert der Dienstleistung
sehen, und
- Neuland betreten.
Das alles sind nicht unbedingt die typischen Eigenschaften für
jemanden, der sich überwiegend mit Kosten und Kosteneinsparungen
beschäftigt.
Höhere Honorare und zufriedenere Klienten!
Aus zig Beratungsprojekten, Gesprächen und Erfahrungsberichten bin
ich zur Überzeugung gelangt, dass sowohl die Zusammensetzung der
Dienstleistungspakete als auch das verwendete Preismodell nahezu
irrelevant sind. Die unterschiedlichsten Dienstleistungsstrukturen und
Preismodelle funktionieren. Voraussetzung ist lediglich, dass das
strukturierte Dienstleistungsangebot und das Preismodell in sich
schlüssig sind. Ist diese Voraussetzung gegeben, hängt der
Erfolg einer derartigen klientenorientierten Honorargestaltung nur vom
Selbstbewusstsein und der Überzeugung der Personen ab, die mit dem
Klienten über Honorare reden. Sie erreichen dann mit 100%iger Sicherheit
höhere Honorare und zufriedenere Klienten.
Lesen Sie dazu auch: „Der
Einzige, der ein Problem mit dem Honorar hat …“