Vertrauen baut man auf, wenn man spricht, ohne dass es einen
konkreten Anlass gibt.
Ein anschauliches Beispiel
Versetzen Sie sich in die Lage, einen Versicherungsmakler zu suchen:
Ihre betrieblichen und privaten Versicherungen haben inzwischen einen
beträchtlichen Umfang angenommen, sodass Sie das Gefühl haben,
professionelle Beratung zu brauchen. Angenommen Sie hätten keine
Empfehlung für einen Makler erhalten, daher rufen Sie den einen oder
anderen Versicherungsmakler an. Nachdem Sie mehrere Telefongespräche
geführt haben, in denen Ihnen der jeweilige Makler sein Unternehmen
beschrieben, seine Referenzen aufgezählt hat und auch das Honorar zur
Sprache gekommen ist, gelangen Sie an einen Makler, der Ihnen unter
anderem die Frage stellt „Wie viel wissen Sie von Versicherungen?“. Auf
Ihre Antwort „Ehrlich gesagt, nicht gerade besonders viel“ bietet er
Ihnen an, ein Fax an Sie zu schicken und Sie in den nächsten Tagen
wieder anzurufen. Das Fax enthält eine detaillierte und verständliche
Übersicht über die üblicherweise notwendigen Versicherungen. Anhand der
Tabellen mit Deckungssummen, Risikoklassen, weiteren Informationen und
Prämien können Sie leicht erkennen, wie Sie mit Ihren Versicherungen
liegen.
Darüber hinaus enthält das Fax konkrete Fragen zu einzelnen
Risikosituationen in den unterschiedlichen Versicherungsbereichen,
sodass Sie schnell erkennen können, worauf es ankommt. Keine Frage,
welchen Makler Sie wählen würden!
Der Makler hat eine „riskante“ Vorleistung erbracht. Er hat Ihnen
kostenlos wertvolle Informationen zur Verfügung gestellt und ist damit
das Risiko eingegangen, dass Sie gar keinen Makler mehr oder – auf Basis
dieser Informationen – einen anderen Makler engagieren.
„Selbstverständlichkeiten“?
Um Vertrauen aufzubauen, müssen nur diejenigen Dinge getan werden,
die doch so „selbstverständlich“ sein müssten. Dazu gehört
Zuverlässigkeit. Ich meine damit jedoch nicht die Zuverlässigkeit, z.B.
die Termine für die Abgabe der Umsatzsteuervoranmeldung
einzuhalten.
Es kommt mir beim Begriff Zuverlässigkeit auf Dinge an, die dem
Klienten zeigen, dass Sie nicht nur mitdenken, sondern auch
vorausdenken. Hier ein paar Beispiele dazu, die banal sind, aber den
entscheidenden Unterschied ausmachen:
- Dem Klienten vor Besprechungen schon Unterlagen zuschicken, damit
er sie sich vorweg in Ruhe durchsehen kann. Das erspart kostbare
Besprechungszeit, sodass man unklare Punkte ausführlicher besprechen
kann.
- Mit dem Klienten bei Beginn eines Telefongesprächs oder einer
Besprechung die Besprechungspunkte klären. Dadurch weiß der Klient,
was ihn erwartet. Den Klienten bei Beginn von Besprechungen fragen, ob
er noch weitere Punkte diskutieren möchte.
- Sich in Darstellung, Terminologie, Stil und zeitlichen
Gewohnheiten dem Klienten anpassen.
- Nach Besprechungen dem Klienten unaufgefordert ein Protokoll über
das Ergebnis schicken. Kurz und prägnant mit den vereinbarten Punkten,
für die konkrete Termine und Verantwortlichkeiten festgelegt
wurden.
- Jede sich ergebende Änderung (z.B. von Terminen) den Klienten
sofort wissen lassen.
Die Extra-Anstrengung mach den Unterschied
Sie sehen, es geht um die kleine Extra-Anstrengung. Dazu braucht es
keine außergewöhnliche fachliche Ausbildung, sondern nur die
entsprechende innere Einstellung. Es geht auch darum, nicht nur auf
Anforderungen des Klienten zu reagieren, sondern proaktiv zu sein. Wenn
Sie Vertrauen gewinnen wollen, dann müssen Sie den ersten Schritt
machen. Was so offensichtlich ist, wird in allen Umfragen bei Klienten
bestätigt: Klienten erwarten (erhoffen) sich von ihrem Steuerberater
aktive Beratung. Sie drücken diesen Wunsch in etwa so aus:
- „Geben Sie mir von sich aus Tipps, wie ich mein Unternehmen
verbessern und Steuern sparen kann. Warten Sie nicht, bis ich Sie
anrufe.“
- „Investieren Sie mehr Zeit, um mein Geschäft (meine Branche)
besser zu verstehen. Nur wenn Sie verstehen, wie es bei uns abläuft,
können Sie tatsächlich wertvolle Unterstützung leisten.“
- „Sagen Sie mir, wie es unsere besten Mitbewerber machen. Versorgen
Sie mich mit branchenspezifischen Kennzahlen (am besten
Benchmarks).“
- „Helfen Sie mir, schon frühzeitig Probleme zu erkennen, z.B. im
Bereich der Finanzierung oder bei bevorstehenden Übergaben.“
- „Steuerzahlungen sind unangenehm. Wenn man sie allerdings
schon einige Zeit im Voraus weiß - und einplanen kann - wird es etwas
leichter.“
- „Machen Sie auch während des Jahres Hochrechnungen auf das zu
erwartende Ergebnis. Und diskutieren Sie mit mir, welche Möglichkeiten
ich im dann noch im verbleibenden Jahr habe.“
Diese Aussagen sind eindeutig. Die darin ausgedrückten Erwartungen zu
erfüllen, ist – intellektuell gesehen – nicht besonders schwierig. Es
müsste doch selbstverständlich sein.
- Versprechen Sie nur, was Sie auch halten können.
- Rufen Sie sofort zurück. Testen Sie die unglaubliche Wirkung eines
Rückrufs innerhalb von zehn Minuten.
- Seien Sie großzügig mit Ihrem Wissen. Geben Sie es weiter. Halten
Sie Ihre guten Ideen nicht zurück. Ihr Wissen wächst durch dessen
Anwendung.
- Rufen Sie den Klienten circa drei Tage nach der Bilanzpräsentation
an und fragen ihn, ob alle besprochenen Punkte klar waren oder neue
Fragen aufgetaucht sind.
- Versuchen Sie nicht, Fehler zu vertuschen.
- Klären Sie, welche Erwartungen der Klient – beispielsweise für die
Bilanzbesprechung – hat.
- Vereinbaren Sie Ihr Honorar mit dem Klienten im Vorhinein.
Trust is a foul weather job
Peter Drucker bezeichnet Vertrauen als einen “Schlechtwetterjob”.
Damit meint er, dass sich Vertrauen in Krisenzeiten bewähren muss. Bei
Schönwetter, Sicherheit und hinreichender Information kommt man auch
ohne Vertrauen aus. Vertrauen schafft Sicherheit im Transfer von
Informationen, Leistungen und Ressourcen zwischen Ihnen und dem Klienten
besonders, wenn es darauf ankommt.
Vertrauen gibt es nicht zum Nulltarif
Der Preis für eine vertrauensbasierte Klientenbeziehung ist die
Investition in die Beziehung und die Zurückhaltung beim Gewinnen. Auf
lange Sicht gesehen, lohnt sich beides. Für den Klienten und für
Sie.