Gedanken zu persönlichen Leistungsgrenzen
Wir alle stoßen immer wieder an die Grenzen unserer
Leistungsfähigkeit. So ist jedenfalls das subjektive Gefühl. Tatsache
ist jedoch, dass jeder Mensch über seine Grenzen hinauswachsen und
deutlich mehr leisten kann, als er glaubt.
Diese Aussage erweckt einerseits natürlich Hoffnung, andererseits
allerdings erzeugt sie Pessimismus und Zynismus in Anbetracht von
60-Stunden-Wochen, operativer Hektik, dauerndem Zeitdruck, Frustration
bei der Realisierung von Projekten und der Gefahr eines Burn-outs. Es
tauchen dann schnell Fragen auf, wie z.B.:
- Wie soll ich denn noch mehr leisten?
- Wohin führt diese ständige Leistungssteigerung?
- Warum reicht die bisherige Leistung nicht aus?
Unzweifelhaft sind jedem Menschen Grenzen der Leistungsfähigkeit
gesetzt. Ich gehe ganz und gar nicht davon aus, dass jeder alles
erreichen kann. Ich bin aber davon überzeugt, dass Menschen deutlich
mehr leisten können, als man ihnen zutraut. Es ist möglich, Menschen zu
überfordern, aber das ist deutlich schwieriger, als es den Anschein
erweckt. Immer wieder passiert es, dass Menschen Dinge vollbringen, die
keiner für möglich gehalten hat.
Im Spitzensport ist diese Tatsache am einfachsten nachzuvollziehen.
Spitzensportler verschieben immer wieder die Grenzen der Leistung.
Erfahrungen mit persönlichen Leistungsgrenzen
Auch wenn man selbst nicht Leistungssport betreibt, kennt man den so
genannten „toten Punkt“. Der Körper signalisiert, dass man aufhören und
sich nicht weiter anstrengen sollte. Die meisten von uns – wenn nicht
sogar jeder – haben erlebt, dass es möglich ist, diesen toten Punkt zu
überwinden (ohne dauerhafte körperliche Schäden zu erleiden). Natürlich
sind die Grenzen fließend, aber am toten Punkt geht es immer noch ein
Stückchen weiter. Im Sport kann man die Überwindung der subjektiven
Leistungsgrenzen gut üben, und diese Fähigkeit lässt sich leicht in
andere Lebensbereiche übertragen.
Grenzen sind notwendig, um sich seiner Leistung bewusst zu werden.
Erst durch das Ausloten und Überschreiten der subjektiven
Leistungsgrenzen erkennt man, dass die Leistungsgrenzen deutlich weiter
verschoben werden können, als man es glaubt.
Natürlich muss nicht jeder die Einstellung haben, seine Grenzen
verschieben zu wollen. Das ist letztlich eine Frage, die jeder für sich
selbst zu beantworten hat. Wer aber an einer Verbesserung seiner
Leistung interessiert ist, muss mit seinen Leistungsgrenzen
experimentieren und immer wieder die Komfortzone verlassen. Aus welchem
Grund das geschieht, ist vollkommen irrelevant. Sei es der Karriere
wegen, um seine Aufgaben besser zu erledigen, um mehr Geld zu verdienen
oder mehr Freizeit zu haben.
Arbeitsmethodik als limitierender Faktor
Die wahrgenommenen Leistungsgrenzen sind fast immer eine Folge der
Arbeitsweise. Eine Reihe von Tipps rund um die persönliche
Arbeitsmethodik finden Sie unter Persönliche
Arbeitsmethodik als Erfolgsfaktor.
Es ist doch offensichtlich, dass die eigene Arbeitsmethodik sich
ändern muss, wenn z.B. die Kanzlei im Laufe der Zeit wächst. Realität
ist jedoch oft, dass die Arbeitsweise aus den Zeiten der Kanzleigründung
(mit ein paar wenigen Mitarbeitern) fortgeführt wird, obwohl inzwischen
schon ein Team von 15 und mehr Mitarbeitern zu führen ist. Dass damit
die Grenzen der Leistungsfähigkeit erreicht sind, ist klar, wird aber
oft übersehen. Dass sich die Arbeitsmethodik bei der Aufnahme eines
Partners ändern muss (weil ja hoffentlich auch andere Aufgaben wichtiger
werden), ist eindeutig. Leider nehmen sich Inhaber bzw. Partner jedoch
zu wenig Zeit, um über ihre Arbeitsweise kritisch nachzudenken.
Wenn es um echte Spitzenleistungen geht, dann wird sie vor allem
dadurch möglich, dass man sich auf weniges konzentriert. Peter Drucker
sagte: Wirksame Führungskräfte erledigen erstrangige Dinge zuerst, und
zweitrangige Dinge – überhaupt nicht. Das Herausschälen von Prioritäten
ist der Schlüssel zum Erfolg. Ist geklärt, welche wenigen (maximal 3)
Schlüsselaufgaben man zu erledigen hat, dann ist in diesen Bereichen
eine enorme Verschiebung der subjektiven Leistungsgrenzen möglich.
Schlüsselaufgaben
Effektivität heißt, die richtigen Dinge zu tun. Und Effizienz heißt,
die Dinge richtig tun.
Diese Aussage ist kein Wortspiel. Es ist eine Welt von Unterschied.
Es ist der Unterschied von Erfolg und Misserfolg, von Anstrengung und
Leistung, von Arbeit und Ergebnis, von richtig und von falsch.
Beantworten Sie die folgenden Fragen:
- Was müssen meine Schlüsselaufgaben für das kommende Jahr
sein?
- Was muss ich tun, um Erfolg zu haben?
Das Festlegen von Schlüsselaufgaben kann man nicht im Allgemeinen
erledigen. Schlüsselaufgaben hängen immer von der speziellen und
aktuellen Lage ab. Hier ein kleines Rezept, wie Sie zu Ihren
Schlüsselaufgaben kommen:
Erster Schritt:
Erstellen Sie eine Liste aller derzeitigen Aufgaben. Beobachten Sie sich
für einen Zeitraum von ca. 2 Wochen und halten Sie alle Aufgaben, die
Sie erledigen, fest.
Zweiter Schritt:
Streichen bzw. delegieren Sie alle Aufgaben, die nicht von
Ihnen zu erledigen sind. Siehe dazu auch Wer
durchführt, führt nicht.
Dritter Schritt:
Ergänzen Sie diese Liste um die wirklich wichtigen Aufgaben. Dabei
stellt sich die Frage, ob die Strategie Ihrer Kanzlei klar ist? Ich
befürchte leider nein (nur 20 % der österreichischen
Steuerberatungskanzleien verfügen über ein Strategiekonzept – Umfrage
KWT, April 2007).
Vierter Schritt:
Reduzieren Sie das Ergebnis auf die 3 wichtigsten Aufgaben. Die
größte Schwierigkeit dabei ist, loszulassen und sich von unwichtigen
Aufgaben zu trennen (bzw. sie zu delegieren).
Fünfter Schritt:
Dokumentieren Sie das Ergebnis schriftlich und versuchen Sie, Ihre
Erwartungen so weit wie möglich zu konkretisieren.
Sechster Schritt:
Erfolgsmonitoring betreiben und Feedback organisieren.
Die Erledigung dieser 6 Schritte bedarf angestrengten Nachdenkens. Oft
reicht dafür schon ein verregnetes Wochenende aus. Strategiemeetings und
Partner-Workshops können das Ergebnis konkretisieren und abrunden (siehe
dazu auch Coaching).
Höchstleistung und Spaß?
Vielleicht kennen Sie die folgenden typischen Rollenmuster im
Sport:
Abbrecher:
- freut sich nicht auf das Training
- das Training macht ihm keinen Spaß
- er freut sich nicht nach dem Training
- … und bricht ab
Durchschnittssportler:
- freut sich auf das Training
- hat Spaß beim Training
- freut sich über seine Leistung
- … wird ganz gut – aber nie Weltklasse
Weltklasse:
- freut sich riesig auf das Training
- und empfindet danach große Freude
- er hat aber nicht wirklich Spaß während der Trainingseinheit
- beschreibt seine Empfindungen während des Trainings mit
„hochkonzentriert“, „besonders aufmerksam“, „diszipliniert“,
„analytisch“, „angestrengt“
- … und wird Weltklasse!
Auch diese Muster lassen sich fast 1:1 auf den Kanzleialltag
übertragen. Natürlich ist „Spaß an der Arbeit zu haben“ ein positiver
Faktor. Eine Kanzlei, in der mit Spaß gearbeitet wird, ist sicher
erfolgreicher als eine Kanzlei, in der das nicht so ist.
Spitzenleistungen erfordern aber Konzentration, Disziplin und
Anstrengung. Dort freut man sich auf die Arbeit und über das Ergebnis.
Die Arbeit selbst wird jedoch „hochkonzentriert“, „besonders
aufmerksam“, „diszipliniert“, „analytisch“ und „angestrengt“
erledigt.
Die eigenen Grenzen verschieben – raus aus der Komfortzone
Wir sollten unsere Bequemlichkeit aufgeben, sonst reproduzieren wir
in der Regel nur das bereits Bekannte.
Alleine die Beschäftigung mit dem Thema „Grenzen“ ist allerdings zu
wenig. Das Üben im Verlassen der Komfortzone ist notwendig. Lesen Sie
dazu auch Strategie
und Diät.
Erfolgreiche Unternehmer sind nicht cleverer oder intelligenter als
die übrigen Unternehmer. Sie unterscheiden sich dadurch, dass sie tun,
was sie sagen, und dass sie disziplinierter sind.
Disziplin rangiert in ihrer Beliebtheit üblicherweise irgendwo
zwischen Durchfall und Zahnarzt. Die wenigsten Menschen „lieben“
Disziplin“. Bedenken Sie aber die folgende Argumentationskette: Wer
(Selbst-)Disziplin üben muss, ist (noch) nicht richtig motiviert. Denn
dann ist Disziplin lediglich die Antwort auf die Frage: „Wie wichtig ist
mir das, was ich wirklich erreichen will?“
Brian Tracy sagte: „The one human quality that must be developed for
success is self discipline. The willpower to force yourself to do what
you know you should do when you should do it, whether you like it or
not, whether you feel like it or not. Success is tons of self
discipline.
Lesen Sie zu diesem Thema auch Kleine
Ursache, große Wirkung