Simpel, nicht einfach, aber wirkungsvoll
Klientenbefragungen bestätigen immer wieder aufs Neue, dass die
Entscheidung für oder gegen einen Steuerberater überwiegend von der
Servicequalität der Kanzlei abhängt. Die fachliche Qualität der
Dienstleistungen kann der Klient nicht wirklich beurteilen, sodass er
sich an Ersatzkriterien orientieren muss. Eine ausgezeichnete
Servicequalität hat zur Folge, dass der Klient die Honorare gerne
bezahlt, Sie immer wieder beauftragt und Ihre Kanzlei weiterempfiehlt.
Daher lohnt es sich, dafür zu sorgen, dass die Qualität des Service
genauso großartig ist wie die Qualität Ihrer Arbeit.
Serviceoptimierung – wie beginnen?
Der Startschuss für den Verbesserungsprozess der Servicequalität
könnte ein Besuch mit Ihrem Team in einem erstklassigen Hotel oder
Restaurant sein. Jeder Mitarbeiter erkennt und erlebt dabei sofort den
Unterschied zwischen ausgezeichnetem und durchschnittlichem Service.
Fordern Sie Ihre Mitarbeiter beim Besuch auf, Serviceideen zu sammeln.
Sie sollten einfach ihre Augen und Ohren offen zu halten. Danach
verfügen Sie verlässlich über eine Fülle von Ansatzpunkten für einfache
und schnell umsetzbare Serviceverbesserungen, wie z.B.:
- die ideale Begrüßung in der Kanzlei: Ansprechen des Klienten mit
seinem Namen; Hilfe anbieten beim Ablegen des Mantels; Getränke oder
Erfrischungen anbieten; Getränke perfekt servieren.
- das Ambiente im Empfang und im Besprechungsraum: der Jahreszeit
entsprechende Dekoration; Unterlagen, Blöcke, Kugelschreiber sind im
Besprechungsraum vorbereitet, Getränkekarte, Snacks und frisches Obst
stehen bereit.
- das perfekte Telefongespräch: gekonnte Annahme und
Weitervermittlung; sofort Hilfe anbieten; professionell auf Wünsche
eingehen.
Eine zweite Maßnahme könnte sein, dass Sie all jene Abläufe notieren,
die vor dem Besuch bzw. beim Eintreffen Ihres absoluten Topklienten
geschehen. Üblicherweise wird in diesem Fall ein besonderes Augenmerk
auf viele kleine Details gelegt, die jedoch für alle Klienten gelten
sollten. Erklären Sie diese spezielle Vorgangsweise für den
Topklienten zum Servicestandard in Ihrer Kanzlei.
Äußerst wirksam ist am Beginn einer Serviceinitiative auch, mit den
Mitarbeitern in einem Workshop der Frage nachzugehen, was jeden
Einzelnen beim Arztbesuch stört. Sehr schnell erfährt man dabei
u.a.:
- „Er hört mir nicht zu.“
- „Er erklärt mir zu wenig.“
- „Er gibt mir nicht das Gefühl, dass ich wichtig für ihn bin.“
- „Ich habe nicht den Eindruck, dass er mich wirklich
versteht.“
- „Ich verstehe selten, was er tatsächlich meint.“
- „Ich bin ihm ausgeliefert und alles geht ziemlich schnell.“
Tatsache ist, dass viele Klienten die Zusammenarbeit mit dem
Steuerberater ähnlich erleben wie die Patienten eines Arztes. Durch die
Auseinandersetzung mit der Patientenrolle wird das Bewusstsein geschärft
und erste Verbesserungsmöglichkeiten werden erkennbar.
Klient und Mitarbeiter arbeiten im Team
Die Sichtweise, dass die Erstellung des Jahresabschlusses oder der
monatlichen Buchhaltung eine Teamarbeit zwischen Klient und Kanzlei ist,
ist für viele Steuerberater ungewöhnlich. Üblicherweise geht man davon
aus, dass der Klient die Unterlagen vorzubereiten hat und die
notwendigen Arbeiten dann in der Kanzlei einfach erledigt werden. Der
Klient hat dabei oft das Gefühl, dass er es mit einer „Black Box“ zu tun
hat. Er weiß nicht genau, was in der Kanzlei geschieht.
Selbstverständlich gibt es Klienten, die das auch gar nicht interessiert
und die ihre steuerlichen Fragen erledigt haben wollen. Allerdings gibt
es aber auch Klienten, denen diese Vorgangsweise Unbehagen bereitet und
die mehr in den Prozess einbezogen werden wollen. Diese Klienten sind
üblicherweise auch diejenigen Klienten, die eine hohe Servicequalität
schätzen.
Teamarbeit zwischen Klient und Mitarbeiter kann auf vielfältige Art
und Weise geschehen. Es geht dabei vor allem darum, den Klienten mehr in
die Abläufe zu integrieren. Beispielhafte Ansatzpunkte dafür sind:
- Hat der Klient mehrere Optionen über den Umfang der
Dienstleistung? Wählt er z.B. Buchhaltung mit oder ohne BWA, mit oder
ohne vierteljährlichem Ergebnisgespräch, mit oder ohne
Prognoserechnung und Soll-Ist-Vergleich etc.?
- Wird auf individuelle Wünsche des Klienten über die
Zusammensetzung der monatlichen BWA eingegangen? Sind individuelle
Berechnungen möglich?
- Wird mit dem Klienten der Termin für den Jahresabschluss früh
genug abgestimmt? Erhält er Unterstützung für die Vorbereitung des
Jahresabschlusses durch eine individualisierte Checkliste?
- Erhält der Klient vor der Bilanzbebesprechung die geplanten
Besprechungspunkte und kann er vorweg seine Themenwünsche bekannt zu
geben?
Teamarbeit bedeutet auch, den Klienten informiert zu halten. D.h. ihm
bei längerfristigen Aufträgen immer wieder den Zwischenstand
mitzuteilen. Besonders bei Betriebsprüfungen wird dieser Aspekt oft zu
wenig beachtet.
Echte Teamarbeit braucht Sicherheit und Transparenz. Sie lässt keinen
Platz für Überraschungen. Schon gar nicht, wenn es negative
Überraschungen sind. Daher ist es nur eine logische Folge, Honorare im
Vorhinein zu vereinbaren. Fixhonorarvereinbarungen sind ein wesentlicher
Bestandteil ausgezeichneter Servicequalität.
Berichte und Besprechungen wertvoller gestalten
Der Klient erhält Informationen vom Steuerberater entweder in
gedruckter Form oder im Zuge von Besprechungen. Serviceoptimierung muss
daher auch die Professionalisierung dieser beiden Kommunikationsformen
beinhalten.
1. Zu schriftlichen Berichten: Verständlichkeit ist das
entscheidende Erfolgskriterium. Überprüfen Sie Ihre Briefe, Analysen,
Newsletter, Klienteninformationen etc. auf verständliche Ausdrucksweise.
Eine einfache Vorgangsweise dafür ist, sie von jemandem, der nicht
Experte in steuerrechtlichen Fragen ist, lesen zu lassen. Fragen Sie
auch Ihren Klienten, ob und inwieweit er Ihre schriftlichen Dokumente
versteht. Kurz und prägnant formulieren sowie auf den Punkt kommen, ist
gefragt.
Grafiken und Zusammenfassungen zu Beginn (Management Summaries)
erleichtern dem Klienten das „Lesen“ von Berichten.
Individualisieren Sie Jahresabschlüsse durch das Logo des Klienten
auf dem Cover. Bieten Sie dem Klienten den Jahresabschluss in mehreren
Formaten an (gedruckt, als pdf-Datei oder als PowerPoint-Präsentation).
Er kann dadurch leichter diese Informationen zielgerichtet
weiterzugeben. Z.B. schickt er die pdf-Version des Jahresabschlusses
an seine Hausbank und präsentiert das Ergebnis des letzten Jahres
mittels PowerPoint seinen Führungsmitarbeitern.
2. Zu Besprechungen: Hier besteht in vielen Kanzleien ein
enormes Optimierungspotenzial. Ideen dazu sind:
- Klare und eindeutige Ziele für die Besprechung fixieren.
- Professionelle Vorbereitung und eine Tagesordnung.
- Informationen und Unterlagen vor der Besprechung dem Klienten
schicken, sodass wertvolle Besprechungszeit gespart werden kann.
- Das Ergebnis der Besprechung zusammenfassen und dem Klienten das
Besprechungsprotokoll schicken.
- Ein paar Tage nach der Besprechung den Klienten anrufen und
fragen, ob die Ziele der Besprechung erreicht wurden.
Besprechungen bieten eine ausgezeichnete Chance, um zeigen zu können,
was man kann. Ihre Bedeutung wird leider oft unterschätzt. Klienten
beurteilen die Servicequalität – und damit die Qualität insgesamt –
anhand ihrer Erlebnisse bei Besprechungen. Neben der
Professionalisierung der oben genannten organisatorischen
Erfolgskriterien sollten auch kontinuierlich die
Kommunikationskompetenzen trainiert werden.
Servicequalität bedeutet, sich verständlich machen zu können und
verstanden zu werden.
Erreichbar sein
Klienten beschweren sich häufig darüber, dass sie ihren Steuerberater
einfach nicht erreichen. Es ist doch verrückt, einerseits ausgezeichnete
fachliche Arbeit zu leisten und andererseits allein durch die Tatsache,
nicht erreichbar zu sein, Klienten zu verlieren. Dem Klienten geht es
dabei nicht darum, dass er seinen Steuerberater jederzeit erreichen
kann. Es ist für ihn keine Frage der Schnelligkeit sondern der
Sicherheit. Damit ist gemeint, dass er auf einen terminlich fixierten
Rückruf vertrauen kann.
Jeder Klient akzeptiert, dass sein Ansprechpartner in der Kanzlei im
Moment nicht erreichbar ist. Er erwartet allerdings zu Recht, dass er
darüber informiert wird, wie lange sein Ansprechpartner verhindert ist
und wann er zurückgerufen wird.
Maßnahmen, um das sicherzustellen, könnten sein:
- Sorgfältige und vollständige Bearbeitung des Kalenders mit Zugriff
der Sekretärin auf den Kalender.
- Abwesenheitsnotizen für E-Mails oder Weiterleiten der E-Mails an
die Vertretung, die diese E-Mails bearbeitet.
- Telefontraining für gekonntes Abklären der Rückrufwünsche und
–möglichkeiten.
Noch wirkungsvoller ist es, wenn Sie Ihre Klienten schon vorweg über
Ihre Abwesenheit informieren. Entweder in Form eines E-Mails, in dem Sie
dem Klienten anbieten, wichtige offene Fragen noch vor Ihrer Abwesenheit
zu klären. Bei Topklienten bietet sich auch ein Telefonat an: „Lieber
Klient, in 2 Wochen bin ich für 10 Tage nicht in der Kanzlei. Gibt es
wichtige Fragen Ihrerseits, die wir vorher noch klären sollten? Ab …
(genaues Datum) bin ich wieder für Sie erreichbar.“
Erlebt der Klient ein aktives Bemühen Ihrerseits, erreichbar zu sein,
wird er das als außergewöhnliche Servicequalität schätzen und es Ihnen
eher einmal verzeihen, wenn Sie nicht erreichbar sind.
Den Klienten nach seiner Zufriedenheit fragen
Die einzige Person, die Ihre Servicequalität wirklich beurteilen
kann, ist der einzelne Klient. Alle Ihre Anstrengungen haben daher einen
Prüfstein: Die Meinung des Klienten. Ihre Initiative zur Optimierung der
Servicequalität sollte jedenfalls sicherstellen, dass Sie Feedback von
Ihren Klienten erhalten. Ohne Rückkoppelung wissen Sie nicht, ob und in
welchem Ausmaß die getroffenen Maßnahmen wirken.
Die (anonyme) Klientenbefragung und die so genannte Focus-Group
(Klientenbeirat) sind Möglichkeiten, um die Zufriedenheit der Klienten
festzustellen. Die wirksamste Methode ist jedoch, den einzelnen Klienten
einfach zu fragen. Vor allem die Bilanzbesprechung bietet sich dafür
geradezu an:
Der Feedback-Fragebogen hat sich dabei als wirkungsvolles Werkzeug
erwiesen. Es werden dabei nur 2 Fragen an den Klienten
gestellt:
1. Waren Sie mit unseren Leistungen zufrieden?
2. Was können wir für Sie noch besser machen?
Wesentlich für den Erfolg dieses Feedback-Fragebogens ist die Art und
Weise, wie Sie ihn einsetzen. Ziel ist es ja, möglichst viel von Ihrem
Klienten zu erfahren, damit Sie in Zukunft seine Wünsche noch besser
berücksichtigen können.
Es hat sich in der Praxis folgende Vorgangsweise als effektiv
herausgestellt:
Am Ende der Bilanzbesprechung, wenn der Klient meint, die Besprechung
sei nun zu Ende, müssen Sie als Inhaber, Partner oder Teamleiter die
Initiative ergreifen. Indem Sie den Feedback-Fragebogen zur Hand nehmen
und zu Ihrem Klienten in etwa sagen: „Lieber Klient, jetzt kommt
die für uns wichtigste Frage...“
Nehmen Sie auch einen Kugelschreiber zur Hand. Damit signalisieren
Sie, dass die Antwort für Sie wichtig ist und Sie diese auf jeden Fall
notieren wollen. Nicht der Klient soll den Feedback-Fragebogen
ausfüllen, sondern Sie. Sprechen Sie ganz ruhig die erste Frage aus:
„Waren Sie mit unseren Leistungen zufrieden?“ Machen Sie bitte keine
Suggestivfragen, so in der Art, dass ja alles in Ordnung sei. Betreiben
Sie auch kein so genanntes „Fishing for Compliments“ („Sie waren doch
zufrieden mit uns ...“). Stellen Sie die Frage aufrichtig und geben Sie
dem Klienten Zeit für die Antwort. Ich weiß aus der Erfahrung unzähliger
Gespräche, dass Antworten, wie „jetzt bin ich schon 10 Jahre bei Ihnen,
aber das wurde ich nie gefragt“ oder „ja ja, alles o.k.“ oder so ähnlich
kommen werden. Der Klient wird im ersten Moment Ihrer Frage eher
ausweichen. Geben Sie dem Klienten wirklich Zeit. Nur wenn Sie das
Gefühl haben, dass er es ernst meint, gehen Sie zur zweiten Frage.
Ich gehe einmal davon aus, dass der größte Teil der Klienten mit „Ja“
antworten wird. Bitte bedanken Sie sich dafür. Falls der Klient mit
„Nein“ antwortet, wird die Frage Nummer 2 „Was können wir für Sie noch
besser machen?“ noch wichtiger.
Falls Sie sich scheuen, Fragen nach der Zufriedenheit zu stellen,
weil Sie bei diesem Klienten unangenehme Antworten befürchten, sollten
Sie diesen Klienten auf alle Fälle fragen. Nur so kann dieser
unzufriedene Klient seine Beschwerde in einer - noch relativ -
angenehmen Situation loswerden. Negative Erfahrungen werden deutlich
öfter weitererzählt als positive. Die Gefahr, dass der Klient seine
negativen Erfahrungen weitererzählt, ist hoch. Durch die Möglichkeit der
Beschwerde verringert sich die Gefahr. Vor allem, wenn Sie auf seine
Beschwerde professionell reagieren.
Auch bei der zweiten Frage braucht der Klient Zeit. Hier zeigt die
Erfahrung, dass zu Beginn auch oft ausgewichen wird, z.B. „nein, nein es
war alles in Ordnung ... .“ Bitte betonen Sie, dass diese Frage für Sie
wichtig ist. Es passiert dann immer wieder, dass der Klient sagt „Ja,
wenn Sie mich schon so fragen, möchte ich Ihnen etwas erzählen ...“. Er
wird vielleicht über Terminprobleme bei der Lohnabrechnung, nicht
erhaltene Rückrufe und andere Dinge reden. Nehmen Sie alles auf und
beginnen Sie nicht, sich in diesem Moment zu rechtfertigen, denn dadurch
wird der Klient daran gehindert, Ihnen mehr zu schildern.
Durch diesen Feedback-Fragebogen können Sie negative Erfahrungen
Ihres Klienten in ein positives Ergebnis verwandeln. Selbstverständlich
sind Sie nun gefordert zu reagieren und alles zu unternehmen, dass Ihr
Klient zufrieden ist. Eine professionell behandelte Beschwerde erhöht
die Kliententreue um ein Vielfaches.
Sammeln Sie die Feedback-Fragebögen der Bilanzbesprechungen. Sie
dienen Ihnen als Führungsinstrument, indem Sie in der nächsten
Mitarbeiterbesprechung die Aussagen der Klienten mit Ihren Mitarbeitern
durchgehen. So gelingt es Ihnen leichter, Ihren Mitarbeitern
Verbesserungsmöglichkeiten aufzuzeigen und Servicequalität noch
bewusster zu machen.
Resümee
Eine ausgezeichnete Servicequalität sorgt für Klientenbindung und ein
attraktives Image am Markt. Serviceverbesserungen sind im Regelfall
nicht kompliziert. Im Gegenteil, sie sind meist offensichtlich und
simpel. Es ist enorm ärgerlich und schade, Klienten, für die man sehr
gute fachliche Arbeit geleistet hat, wegen mangelnder Servicequalität zu
verlieren.