Wie Sie dadurch Ihre Kanzleiziele schneller erreichen können
Zum Thema Mitarbeitergespräche gibt es in Steuerberatungskanzleien
zwei ausgeprägte Haltungen, die sich z.B. in den folgenden Aussagen
zeigen können:
| „Mitarbeitergespräche kosten enorm viel Zeit und bringen
wenig.“ |
„Die für Mitarbeitergespräche aufgebrachte Zeit lohnt
sich immer.“ |
| „Mitarbeitergespräche mache ich nur dann, wenn es die
Mitarbeiter unbedingt wollen.“ |
„Ich könnte mir die Kanzleiführung ohne Mitarbeitergespräche
gar nicht mehr vorstellen.“ |
| „Ich weiß schon, dass ich wieder Mitarbeitergespräche machen
müsste, aber es geht doch auch so ganz gut.“ |
„Mitarbeitergespräche sind ein wesentlicher Faktor, um unsere
Kanzlei vorwärtszubringen.“ |
| „Was soll ich denn mit den Mitarbeitern besprechen und was
sollte denn schon bei so einem Gespräch herauskommen?“ |
„Ich habe eine ganze Menge Punkte für das Gespräch und
erkenne immer wieder gute Chancen für jeden einzelnen
Mitarbeiter.“ |
Mit diesen beispielhaften Extremstandpunkten können Sie Ihre eigene
Einstellung überprüfen. Die persönliche Einstellung bzw. Überzeugung zu
einem Thema stammt immer aus den gemachten Erfahrungen. Falls Sie eher
negative Erfahrungen gemacht haben und daher zu den Aussagen in der
linken Spalte tendieren, könnte Ihnen dieser Beitrag helfen, in Zukunft
bessere Erfahrungen zu machen. Finden Sie sich eher auf der rechten
Seite wieder, wird dieser Beitrag Ihre Meinung bestätigen und Sie werden
den einen oder anderen Hinweis erhalten, wie Sie Mitarbeitergespräche
noch weiter verbessern können.
Das Mitarbeitergespräch als ein Teil der Mitarbeiterführung
Das jährliche Mitarbeitergespräch, auch Karrieregespräch oder
Zielvereinbarungsgespräch genannt, ist eingebettet in alle anderen
„Werkzeuge“ der Mitarbeiterführung, wie z.B.:
- regelmäßige Teambesprechungen
- regelmäßiges Feedback über die laufenden Arbeiten
- Kritikgespräche
- Gehaltsgespräche
- offene Kommunikation und Transparenz der Kanzleiziele
- Aktivitäten zur Stärkung des Teams
Mitarbeitergespräche finden daher nicht in einem Vakuum statt und
können daher auch nicht isoliert betrachtet werden. Ganz im Gegenteil,
ihr Erfolg hängt entscheidend davon ab, wie das „Klima“ in der Kanzlei
ist. Wurde während des Jahres wenig bis gar nichts für eine
professionelle Mitarbeiterführung gemacht, dann wird das jährliche
Mitarbeitergespräch äußerst schwer fallen. Umgekehrt allerdings, bei
einer ausgezeichneten Stimmung in der Kanzlei, sind jährliche
Mitarbeitergespräche wirklich einfach und zeigen sofort Wirkung.
Kanzleiziele und Ziele des Mitarbeiters
Die Mitarbeiter, und damit meine ich das Talent und die Kompetenzen
jedes einzelnen Mitarbeiters, sind die einzige Quelle für einen
nachhaltigen Wettbewerbsvorteil einer Steuerberatungskanzlei. Ob Sie am
Markt erfolgreich sind und Ihre Ziele erreichen, hängt vor allem davon
ab, inwieweit es Ihnen gelingt, die besten Mitarbeiter zu finden und sie
auch zu halten.
Mit den „richtigen“ Mitarbeitern können Sie jedes Ziel erreichen. Die
Kunst einer erfolgreichen Kanzleiführung liegt darin, erstens, Ziele für
die Kanzlei zu definieren, zweitens die Ziele der Mitarbeiter zu kennen
und drittens beides zu kommunizieren und gegenseitig abzustimmen. Das
jährliche Mitarbeitergespräch ist dafür ein ausgezeichnetes
Instrument.
Sind Ziele vorhanden, wird das Mitarbeitergespräch einfach. Mit der
Einhaltung ein paar weniger Regeln und der Beachtung ein paar weniger
Grundsätze werden sowohl Vorgesetzter als auch Mitarbeiter das Gespräch
als positiv und konstruktiv erleben. Fehlen Ziele, können durch die
Einhaltung der Regeln zwar die schlimmsten Konsequenzen, wie z.B.
Demotivation und Frustration, vermieden werden, außergewöhnliche
Ergebnisse können jedoch keinesfalls erwartet werden.
Tools helfen – Vorbereitung entscheidet
Checklisten, Fragebögen und Muster für die Strukturierung des
Mitarbeitergesprächs stehen in den meisten Kanzleien zur Verfügung (z.B.
in Österreich im Handbuch des Instituts Österreichischer Steuerberater
und in Deutschland im Handbuch „Qualitätssicherung und
Qualitätsmanagement“ der Bundessteuerberaterkammer), oder sie können
leicht in der nächsten Buchhandlung besorgt werden
Über die Dimensionierung der Checklisten und die Tiefe bzw. die
Breite der Fragebögen kann man unterschiedlicher Meinung sein.
Als guter Anhaltspunkt könnte die Gallup-Studie (veröffentlicht im
Buch „Erfolgreiche Mitarbeiterführung gegen alle Regeln“ von Marcus
Buckingham und Curt Hoffman) dienen:
Schlichte zwölf Fragen blieben bei Gallup übrig, mit denen sich die
Stärke beziehungsweise Qualität eines Arbeitsplatzes bestimmen und
messen lässt. Diese zwölf Fragen „messen“ jene Kernelemente, die
unverzichtbar sind, will das Unternehmen erstklassige Mitarbeiter
gewinnen, an sich binden und produktiv beschäftigen.
1. Weiß ich, was bei der Arbeit von mir erwartet wird?
2. Habe ich die Materialien und Arbeitsmittel, um meine Arbeit
richtig zu machen?
3. Habe ich bei der Arbeit jeden Tag die Gelegenheit, das zu tun,
was ich am besten kann?
4. Habe ich in den letzten sieben Tagen für gute Arbeit Anerkennung
und Lob bekommen?
5. Interessiert sich mein/e Vorgesetzte/r oder eine andere Person
bei der Arbeit für mich als Mensch?
6. Gibt es bei der Arbeit jemanden, der mich in meiner Entwicklung
unterstützt und fördert?
7. Habe ich den Eindruck, dass bei der Arbeit meine Meinungen und
Vorstellungen zählen?
8. Geben mir die Ziele und die Unternehmensphilosophie meiner Firma
das Gefühl, dass meine Arbeit wichtig ist?
9. Sind meine Kollegen bestrebt, Arbeit von hoher Qualität zu
leisten?
10. Habe ich innerhalb der Firma einen sehr guten Freund?
11. Hat in den letzten sechs Monaten jemand in der Firma mit mir
über meine Fortschritte gesprochen?
12. Hatte ich bei der Arbeit bisher die Gelegenheit, Neues zu
lernen und mich weiterzuentwickeln?
Diese zwölf Fragen stellen die einfachste und zugleich exakteste
Möglichkeit dar, die Qualität und Vitalität eines Arbeitsumfelds zu
messen. Das heißt konkret: Wenn es Ihnen gelingt, Bedingungen zu
schaffen, unter denen Ihre Mitarbeiter alle zwölf Fragen positiv
beantworten – Gratulation!
Ob man nun einen prägnanten einseitigen Fragebogen mit geschlossenen
Fragen einsetzt oder umfangreiche offene Fragestellungen im Fragebogen
verwendet, ist schlussendlich weniger wichtig. Entscheidend ist, dass es
eine strukturierte Art der Vorbereitung gibt. Sowohl der
Vorgesetzte als auch der Mitarbeiter sollten sich auf das Gespräch
vorbereiten. Dabei helfen Checklisten unzweifelhaft. Wichtiger ist aus
meiner Erfahrung allerdings, dass genügend Zeit zur Verfügung steht, um
über die wichtigsten Fragestellungen in Ruhe nachdenken zu können.
- Inwieweit wurden die Ziele des vergangenen Jahres erreicht?
- Was waren die wesentlichsten Kriterien dafür?
- Welche Schlüsse kann ich daraus für mein weiteres Vorgehen
ziehen?
- Welche Ziele setze ich mir für die nächsten drei Jahre?
- Woran möchte ich mich messen lassen?
- Woran erkennt man, dass die Ziele erreicht wurden?
Ich möchte nochmals betonen, dass diese Überlegungen natürlich für
den Vorgesetzten und den Mitarbeiter gelten. Beide müssen ihre Situation
reflektieren und analysieren sowie die Wünsche und Vorstellungen an das
Gegenüber konkretisieren. Der Vorgesetzte sollte sein Führungsverhalten
genauso überprüfen wie der Mitarbeiter seinen Beitrag zur Erreichung der
Kanzleiziele.
Die Schwierigkeit in der Vorbereitung liegt darin, kritisch die oben
angeführten Fragestellungen zu durchdenken und auf die individuelle und
kanzleispezifische Situation anzupassen. Das bloße Bewerten von
schematischen Kriterien bringt keinen wesentlichen Erkenntniswert.
Die Grundregel der Kommunikation, dass eine Besprechung nur so gut
ist wie deren Vorbereitung, gilt uneingeschränkt auch für das
Mitarbeitergespräch. Gute Vorbereitung braucht Zeit. Rechnen Sie mit
mindestens ein bis zwei Stunden Vorbereitungszeit pro
Mitarbeitergespräch und ermöglichen Sie auch dem Mitarbeiter, dass er
diese Zeit zur Verfügung hat.
Auf Stärken konzentrieren
Der beste Weg, von Zielen zu Ergebnissen zu kommen, ist – neben gutem
Management – , Mitarbeiter dort einzusetzen, wo sie ihre Stärken haben.
Und jeder Mensch hat ohne Zweifel seine Stärken. Schwächen „ausmerzen“
zu wollen, kann bestenfalls dazu führen, dass man in diesem Bereich
mittelmäßig wird. Stärken stärken ist der Erfolgsfaktor.
Das Mitarbeitergespräch sollte sich überwiegend um die Stärken des
Mitarbeiters drehen. Die dritte der zwölf oben genannten Fragen, „Habe
ich bei der Arbeit jeden Tag die Gelegenheit, das zu tun, was ich am
besten kann?“, hat daher eine entscheidende Bedeutung. Sollte z.B. der
Mitarbeiter mehr in der Klientenbetreuung, in EDV-Fragen, beim
Qualitätsmanagement oder bei Organisationsaufgaben eingesetzt werden?
Oder liegt seine Stärke im exakten Erledigen von klar definierten
Aufträgen? Wodurch kann also der Mitarbeiter den wirksamsten Beitrag
leisten, die Kanzleiziele zu erreichen? Und welche Ziele setzt sich der
Mitarbeiter aufgrund seiner Stärken selbst?
Die Antworten auf diese Fragen haben Folgen auf die Zielvereinbarung,
die notwendigen Aus- und Fortbildungsmaßnahmen, die
Aufgabenbeschreibung, die Art der Führung des Mitarbeiters und vieles
mehr.
Gesprächsführung – man lernt immer etwas dazu
„Wenn
du fragst, bedenke, wohin deine Antwort dich führt“, sagte Mark
Twain.
Ein gelungenes Mitarbeitergespräch lebt von „guten“ Fragen und
„richtigen“ Antworten. Ob Ihre Fragen und Antworten Qualität haben, wird
Ihnen Ihr Mitarbeiter jedenfalls signalisieren. Fragen regen – im
Gegensatz zu fertigen Antworten oder Statements Ihr Gegenüber zum Denken
an. Fragen eröffnen ihm damit einen Möglichkeitsraum, der nur durch
persönliche Initiative und Aktivität ausgefüllt werden kann. Damit sind
Fragen sehr positive Appelle an Klugheit und Mündigkeit der Mitarbeiter.
Sie haben es in der Hand, mit Fragen zu steuern oder umgekehrt mit
passenden Antworten ein konstruktives Gespräch zu ermöglichen
Arbeiten Sie besser nicht mit vorgefertigten Fragen bzw. einem
vorbereiteten Fragenkatalog. Sie möchten doch ein Gespräch und nicht ein
Verhör führen. Setzen Sie Fragetechniken bewusst ein. Öffnende Fragen
(so genannte „W“-Fragen), um mehr von Ihrem Mitarbeiter zu erfahren, und
schließende Fragen (auf die man nur mit „Ja“ oder „Nein“ antworten
kann), um eine Entscheidung herbeizuführen, die Meinung zu überprüfen
oder ein Thema abzuschließen.
Es wäre vermessen, hier die Erkenntnisse der Kommunikationsforscher,
die ganze Bibliotheken füllen, in kurzen Sätzen wiederzugeben. Zwei
kleine Tipps für Mitarbeitergespräche möchte ich Ihnen jedoch nicht
vorenthalten:
1. Setzen Sie Sprechpausen bewusst ein: Vielen Menschen fällt
es schwer, Stille auszuhalten. Damit ist nicht gemeint, dass wir die
Stille am Berggipfel, im Wald oder am Meer nicht ertragen könnten. Es
geht um die Stille in Besprechungen. Wenn einmal keiner etwas sagt,
haben alle Anwesenden sofort ein bedrückendes Gefühl. Hören Sie auf
diese Stille. Der Mitarbeiter braucht – genauso wie Sie – Zeit, um über
das Gesagte nachzudenken.
Die Stille trennt Gedanken voneinander, sodass man nicht
ununterbrochen weiterreden muss aus Angst, dass man durch eine Frage
unterbrochen wird. Sie können den ersten Punkt erläutern und dann
warten, bis ihn der Mitarbeiter aufgenommen hat, dann zum zweiten Punkt
gehen und wieder warten, bis dieser verstanden wurde. So erhalten Ihre
Argumente die Bedeutung, die sie verdienen.
2. Versuchen Sie ständig, Ihre Kommunikationskompetenzen zu
verbessern: Der erste Schritt dazu ist, sich nach dem
Mitarbeitergespräch Zeit zu nehmen, um das Gespräch in Gedanken Revue
passieren zu lassen und darüber nachzudenken, wie das Gespräch noch
weiter verbessert hätte werden können. Mindestens genauso wichtig ist
das ständige Training der Kompetenzen, sei es in öffentlichen Seminaren,
kanzleiinternen Schulungen oder im Selbststudium. Man lernt NIE aus!
Weitere Tipps
Die folgenden praktischen Tipps sollten Ihren
Mitarbeitergesprächen – gemeinsam mit der Beachtung der
beschriebenen Grundsätze – eine noch bessere Qualität bringen:
- Sorgen Sie für eine passende Umgebung: Sie sollten während des
Gesprächs natürlich nicht gestört werden (keine Telefonate und keine
Unterbrechungen). Schaffen Sie ein angenehmes Ambiente, genauso wie
Sie es für Ihren besten Klienten machen würden. Setzen Sie sich nicht
an einem Tisch gegenüber, sondern besser im 90°-Winkel.
- Klare Ziele und konkrete Maßnahmen: Je klarer die Ziele sind,
desto leichter fällt es für die Maßnahmen Zeithorizont und Messgrößen
zu finden.
- Lassen Sie Platz für Unvorhergesehenes: Dieser Tipp scheint dem
vorherigen zu widersprechen; ja, das tut er auch. Aber neben konkreten
Zielen brauchen Sie auch die Möglichkeit, dass der Mitarbeiter sich
bietende Chancen (die im Zeitpunkt des Gesprächs noch nicht bekannt
sind) ergreifen kann.
- Nachfassen sorgt für die Umsetzung: Lassen Sie nicht ein ganzes
Jahr bis zum nächsten Mitarbeitergespräch vergehen, um die Ergebnisse
zu kennen. Je schneller und regelmäßiger Sie nachfassen, desto
wahrscheinlicher wird die Zielerreichung.
- Gehaltsgespräch eher separat führen: Zu diesem Thema gibt es Pro’s
und Kontra’s. Insgesamt spricht mehr dafür, eine
- eigenes – meist kurzes – Gehaltsgespräch zu führen. Ein
Gehaltsgespräch ist vor allem in die Vergangenheit gerichtet (Was hat
der Mitarbeiter geleistet? Welche Auswirkungen hat das auf sein
Gehalt?), während ein Mitarbeitergespräch überwiegend in die Zukunft
gerichtet ist.
- Kritikgespräche sofort führen: Sparen Sie sich keinesfalls
mögliche Kritikpunkte auf das Mitarbeitergespräch auf. Das führt nur
zu Demotivation und Frustration auf beiden Seiten. Falls Kritik
notwendig ist, dann sollte sie unmittelbar geschehen (während des
Jahres).
- Beim ersten Mal nicht zu viel erwarten: Überzogene Erwartungen
führen oft dazu, nicht konsequent weiterzuarbeiten. Geben Sie sich
selbst und auch Ihren Mitarbeitern Zeit, um aus den Erfahrungen zu
lernen. Erwarten Sie nicht, dass sich durch ein einmaliges
Mitarbeitergespräch die Dinge sofort verändern.
Resümee
Das Mitarbeitergespräch ist ein wesentliches Führungsinstrument und
sollte professionell gestaltet sein. Richtig eingesetzt, können Sie
damit Ihre Ziele als Kanzleiinhaber leichter und schneller erreichen.
Die Vorbereitung und die Bearbeitung danach machen – so wie bei jeder
Besprechung – den Erfolg aus.