Erfolgreich ist, wer sie nicht aufgibt
Wir wissen genau, was wir tun sollten. Privat wie beruflich ist uns,
wenn wir ehrlich sind, meist uneingeschränkt und eindeutig klar, WAS wir
tun sollten, WIE wir dabei vorgehen müssten und WARUM wir so vorgehen
sollten.
Niemandem muss erklärt werden, dass gesünderes Essen, mehr Bewegung,
weniger Alkohol und der Verzicht auf Zigaretten gut für unsere
Gesundheit ist. Genauso wenig muss einem Steuerberater erklärt werden,
dass noch stärkerer Aufbau von Klientenbeziehungen, Förderung der
Mitarbeiter, klare Zielvereinbarungen, Delegieren von Aufgaben,
exzellente interne Kommunikation, etc. sich auf die Kanzleientwicklung
äußerst positiv auswirken.
Tatsache ist allerdings, dass nur die wenigsten auch dementsprechend
handeln. In „Warum
wir es nicht tun“ habe ich 10 Gründe – besser gesagt Ausreden –
aufgelistet, die üblicherweise dafür ins Treffen geführt werden. Jeder
von uns möchte die Früchte der offensichtlich positiven Verhaltensweisen
(z.B. gesünderes Essen und mehr Bewegung oder bessere Klientenbeziehung
und Delegieren von Aufgaben) ernten. Also muss es jedoch einen Grund
dafür geben, warum die Welt nicht nur aus idealgewichtigen und gesunden
Menschen bzw. äußerst erfolgreichen Steuerberatern besteht.
Man denkt, es müsste genügen, den Menschen zu erklären, dass ihr
Leben bzw. ihr Unternehmen besser sein könnte, wie man dabei vorgehen
sollte (viele Tipps dazu finden Sie auf www.stefanlami.com) und dass sich
ihre Anstrengungen lohnen werden. Und trotzdem ist diese Auffassung
nachgewiesener Weise falsch. Wenn es nämlich so wäre, gäbe es keine
Übergewichtigen, keine Alkoholiker, keine Drogenabhängigen, keine
Unternehmen in Schwierigkeiten und keine gescheiterten Beziehungen. „Oh,
ich verstehe, das ist nicht gut für mich. O.k., dann werde ich damit
aufhören und es selbstverständlich ändern!“
Menschen sind anders „gestrickt“
Die wesentlichste Ursache dafür, dass wir nicht an denjenigen Dingen
arbeiten, von denen wir wissen, dass wir sie verbessern sollten, liegt
darin, dass wir die Ergebnisse erst in der Zukunft erhalten, Anstrengung
und Disziplin aber sofort erforderlich sind.
Um unsere Ziele zu erreichen, müssen wir unsere Lebensgewohnheiten
(Arbeitsweisen) jetzt ändern. Dann müssen wir Mut und Energie
aufbringen, die neuen Verhaltensweisen beizubehalten (lesen Sie dazu
auch „Mut als
Voraussetzung für die Kanzleientwicklung“), um nicht durch
Verlockungen in alte Gewohnheiten zurückzufallen. Nur so ernten wir
später die Früchte unserer Anstrengungen. Leider sind wir Menschen nicht
alle gut bei derartigen Entscheidungen.
Wie oft haben wir uns schon mit den besten Absichten vorgenommen, uns
durch ein (persönliches oder berufliches) „Fitnessprogramm“ zu
verbessern? Wenn sich der Erfolg jedoch nicht sofort eingestellt hat,
oder es einen „guten Grund“ gab, wurde das Programm zur Gänze gestoppt.
Das ist ein typisches Muster: Sich viel vornehmen, ein wenig
ausprobieren, nicht sofort den gewünschten Erfolg haben, bei den ersten
Ablenkungen oder Schwierigkeiten aufgeben, den nächsten Versuch starten,
wieder (zögerlich) ausprobieren, sich wieder abbringen lassen und
frustriert enden. Menschen, die gegen dieses Muster gewappnet sind und
Selbstdisziplin aufbringen, nicht aufzugeben, sind – nach meiner
Erfahrung – die Ausnahme.
Individuelle Veränderungsprozesse sind auf Grund der beschriebenen
Tatsache schon schwierig genug. Für einen Veränderungsprozess in einer
Gruppe potenziert sich die Herausforderung.
Welche Strategie? Welche Diät?
Die erfolgreichste Diät ist die, die man beibehält. Es ist belanglos,
für welche Diät man sich entscheidet. Genauso ist es bei der Frage nach
der Strategie. Die erfolgreichste Strategie ist die, die man
beibehält.
Dazu allerdings eine kleine Einschränkung: Sie kennen sicher den
Jo-Jo-Effekt bei Diäten. Das Gewicht, das man schnell verliert, hat man
genauso schnell – mit ein paar Kilo mehr – wieder auf den Rippen. Eine
Diät funktioniert also niemals in einem Schnellverfahren. Die bekannten
Modediäten erzeugen lediglich den Markt für weitere Modediäten. Nur die
kontinuierliche Gewichtsabnahme über einen längeren Zeitraum führt zu
einem dauerhaften Erfolg. Dafür bedarf es aber immer einer Umstellung
der Lebensgewohnheiten.
Auch das gilt uneingeschränkt für die Strategie eines Unternehmens.
Eine Strategie, die kurzfristig und unmittelbar zum Erfolg führen soll,
ist ein Widerspruch in sich. Strategie und Kurzfristigkeit passen nicht
zusammen. Entscheidend sind die kontinuierlichen und über einen längeren
Zeitraum durchgeführten Verhaltensweisen des gesamten Teams. Für den
Erfolg einer Strategie bedarf es immer einer Umstellung der Gewohnheiten
im Unternehmen.
Die Frage nach der richtigen Strategie wird häufig durch aufwändige
Analysen zu beantworten versucht. Es ist o.k., sich z.B. mit den Stärken
und Schwächen zu beschäftigen, das Ziel einer strategischen Planung
liegt aber nicht in analytischen Erkenntnissen, sondern in der Lösung
der Probleme und der Umsetzung der vereinbarten Maßnahmen. Daher lauten
die entscheidenden Fragen: „Welche unsere Vorgangsweisen sind wir
wirklich bereit, dauernd und für immer zu verändern?
Welche Themen sind wir bereit, wirklich zu bearbeiten?
Welche Kompetenzen wollen wir wirklich aufbauen?“ Das
ist eine ganz andere Art der Fragestellung. Ziele zu diskutieren macht
Spaß und ist anregend. Aber darüber zu diskutieren, welche Disziplin man
zu akzeptieren bereit ist, um die Ziele zu erreichen, ist unangenehm und
manchmal sogar bedrohlich.
Ein Beispiel: Wir alle sind uns sicher einig, dass das Ziel
„Differenzierung am Markt durch exzellenten Klientenservice“ sinnvoll
ist. Die meisten Kanzleien verfügen über ein derartiges Ziel. Wie viele
Kanzleien sind aber bereit, vierteljährlich ein e-mail an alle Klienten
zu schicken, um sie darin aufzufordern, durch das Anklicken der Ampel im
e-mail den Grad Ihrer Zufriedenheit bekannt zu geben? „Grün“ steht für
volle Zufriedenheit, „Gelb“ bedeutet, dass es gewisse Vorbehalte gibt,
und „Rot“ heißt Unzufriedenheit. Alle e-mails, die mit „Gelb“ oder „Rot“
beantwortet werden, erhält der Inhaber bzw. Partner, der sich
verpflichtet, sich persönlich um diese Klienten zu kümmern. Die
Ergebnisse werden allen Mitarbeitern in der Kanzlei bekannt gemacht,
sodass auch die Sekretärin den Erfolg des Teamleiters, Inhabers oder
Partners erkennen kann.
Genauso schnell sind wir uns einig, dass die professionelle Führung
der Mitarbeiter ein Erfolgsfaktor für das Unternehmen ist. Wie viele
Inhaber, Partner oder Teamleiter sind aber bereit, sich einer
monatlichen Bewertung Ihrer Führungsqualitäten durch die Mitarbeiter
anhand eines kurzen Fragebogens zu unterwerfen? Die Ergebnisse werden in
der Kanzlei allen offen gelegt und bei den monatlichen Kanzleimeetings
besprochen.
Krise als Auslöser?
Der erste Herzinfarkt, Diagnose Diabetes, Lungenkrebs? Wir alle
wissen, dass in einer derartigen Situation Veränderungen des Lebensstils
sehr wohl möglich sind, die man zu realisieren schon jahrelang erfolglos
versucht hat.
Muss für Menschen und Unternehmen wirklich etwas Schlimmes passieren,
bevor sie tun was sie schon lange hätten tun sollen? Lernen wir nur
durch Schmerz? Gibt es nicht auch andere Möglichkeiten?
Erfolgskriterien für Strategie und Diät
Die folgenden acht Punkt bilden einen guten Startpunkt für die
Realisierung von strategischen Zielen. Selbst wenn Sie nicht alle
Vorschläge in den strategischen Plan integrieren können, so helfen
selbst schon einzelne Punkte, gesteckte Ziele leichter zu erreichen.
1. Einbau in die tägliche Routine:
Die meisten kennen diese Tatsache (Dr. Strunz sei Dank). Sie möchten
laufen? Laufen Sie täglich. Laufen muss zu einem ganz normalen
Bestandteil Ihres Tagesablaufs werden. Ähnlich ist es im Unternehmen.
Ihre Ziele müssen in das tägliche Kanzleigeschäft integriert
werden. Strategie und Kanzleientwicklung sind keine „Projekte“. Ihre
strategischen Ziele müssen Inhalt JEDER Kanzleibesprechung sein;
kommunizieren Sie wöchentlich die Fortschritte; verwenden Sie und Ihre
leitenden Mitarbeiter 15 Minuten täglich für die Erreichung der
Ziele.
2. Große Ziele in kleine Schritte zerlegen:
Das Ziel, 25 kg abnehmen zu wollen, kann äußerst frustrierend sein,
weil man es sich einfach nicht vorstellen kann. Jede Woche ein halbes
Kilo dürfte aber für die meisten möglich sein. In einem Jahr haben Sie
es geschafft. Bei der Umsetzung von strategischen Maßnahmen geht es
immer um eine relative Verbesserung. Sobald man sich verbessert, auch
wenn es nur kleine Schritte sind, ist man auf dem richtigen Weg.
3. Maßeinheiten anpassen:
Messen Sie das, was Sie verbessern möchten. Ob z.B. die
Klientenzufriedenheit steigt, erfährt man nur, wenn man sie misst (Sie
erinnern sich an die Ampel?).
4. Freiwilligkeit:
Diäten funktionieren, wenn man sie für sich selbst macht. Selten bis
gar nicht nimmt man ab, wenn man es jemandem anderen zuliebe macht. Die
eigene Entscheidung, der eigene Wille, die Selbstverpflichtung sind
stärker als „es anderen Recht machen wollen“. Inhaber, Partner,
Teamleiter, Mitarbeiter – eben alle Menschen im Unternehmen – müssen für
sich selbst die gesteckten Ziele erreichen wollen.
5. Prinzipien und Werte:
Über Techniken, Maßnahmen und Geschäftspraktiken lässt sich leicht
streiten. Über Prinzipien und Werte kann man nicht diskutieren.
Unternehmen, die über Werte und Prinzipien verfügen, tun sich leichter
bei der Umsetzung von Maßnahmen.
6. Trainer und Coach:
Diese Tatsache ist aus dem Spitzensport bekannt. Selbst die
Weltklasse (egal in welcher Sportart) weiß um die Vorzüge eines
Trainers.
7. Die „richtigen“ Menschen:
Stellen Sie sich vor, Sie möchten abnehmen, aber Ihr Lebenspartner
nimmt Ihren Vorsatz nicht ernst. Es ist ja schon schwierig genug, den
sich bietenden Verlockungen zu widerstehen, und dann kommt noch dazu,
dass Sie von Ihrem Lebenspartner immer wieder „verführt“ werden
(opulentes Essen zu Hause oder im Restaurant, etc.). Nur wenn Sie
Menschen um sich haben, die hinter Ihren Zielen stehen und Sie dabei
unterstützen, werden Sie Erfolg haben. Sind Ihre Mitarbeiter bereit,
ihren Teil zur Erreichung der Ziele beizutragen? Solange das nicht so
ist, werden Sie scheitern. Finden Sie Mitarbeiter, die die
Unternehmensziele tragen, und trennen sie sich von allen, die das nicht
tun.
8. Sich selbst „überlisten“:
Jeder von kennt das. Wir brauchen in schwierigen Situationen einen
Trick, um uns selbst zu überlisten: „Nur noch eine Runde, dann habe ich
mir eine Pause verdient!“ oder „Jetzt sage ich allen Freunden, dass ich
aufhören möchte zu rauchen, dann ist es mir zu blöd, wenn ich es nicht
schaffe“. Suchen Sie in der Kanzlei nach Möglichkeiten, z.B. kleine
Erfolge zu feiern, spielerisch Ergebnisse darzustellen oder sich selbst
zu verpflichten.
Bedeutung für die strategische Planung
Schenken Sie bei der strategischen Planung der Analyse nicht zu viel
Bedeutung. Legen Sie Ihren Fokus auf die genannten Erfolgskriterien.
Welche „Diät“ sind Sie bereit, WIRKLICH einzuhalten? Falls Sie zu keiner
„Diät“ bereit sind, ist das auch in Ordnung. Hören Sie dann aber auch
auf, so zu tun als ob.